Tuts goldenes Bett bald im neuen Ägyptischen Museum bei den Pyramiden

Fünf Artefakte aus der Tutanchamun-Sammlung, die mehrere Jahre in den USA und Japan unterwegs waren, werden nun in das halbfertige Große Ägyptische Museum (GEM, Grand Egyptian Museum) auf das Giza Plateau gebracht, wie Ahram Online berichtet. Es handelt sich um das goldene Bett des Pharaos sowie ein schlichtes Schmuckkästchen und drei winzige Holzbarken, die nun im bereits fertig gestellten Konservatorium des geplanten Neubaus restauriert werden sollen. Nach der für 2015 geplanten Eröffnung sollen sie dann in der Tutanchamun-Halle des neuen Museums ausgestellt werden. Mit 7500 qm wird die Ausstellungsfläche für die Tut-Sammlung im Großen Ägyptischen Museum Giza erheblich größer sein, als die jetzt im Kairoer Museum dafür vorgesehene Fläche.

Überhaupt entstand der Plan für den Bau eines neuen Museums genau aus diesem Grund, weil nämlich das am Tahrir-Platz in Kairo gelegene Ägyptische Museum aus alle Nähten platzt. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1902 haben sich bis heute über 200.000 Stücke dort angesammelt, und in den öffentlich nicht zugänglichen Katakomben des Museums lagern weitere Schätze, nach denen sich ägyptische Sammlungen in aller Welt die Finger lecken würden, die in Kairo aber im Verborgenen vor sich hin lagern.

Das Neubauprojekt bei den Pyramiden ist wahrlich ein gigantisches. Man entschied sich für einen Standort mitten in einem Weltkulturerbe. Auf einem Gebiet von 470.000 qm sollen fast 170.000 qm überbaute Nutzfläche entstehen, in denen nicht nur Ausstellungsräume und Besucherangebote, sondern auch Lagerräume, Restaurierungswerkstätten und ein ganzes Forschungszentrum samt Loboratorien Platz finden sollen. Mehr als 5 Mio. Besucher jährlich, also 15.000 Besucher pro Tag, will man dort problemlos willkommen heißen können und ihnen insgesamt 100.000 Artefakte präsentieren.


Gigantisch auch die Höhe der Baukosten, die in jedem Presseartikel anders beziffert werden. Selbst innerhalb des Projektes kursieren unterschiedliche Zahlen. Ursprünglich sprach man von 550 Mio. US-Dollar. Mit einem zinsgünstigen Kredit über $300 Mio. ist übrigens die „Japan International Cooperation Agency“, vergleichbar mit dem deutschen „Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“, einer der Hauptsponsoren des Baus. Weitere $100 Mio. steuert der Oberste Rat für Altertümer (SCA) aus seinem Topf für Museen und archäologische Projekte selbst bei. Für die restliche Summe will man Sponsoren gewinnen und eine Spendenaktion ins Leben rufen. In der neuesten Pressemitteilung spricht man jedoch bereits von Kosten in Höhe von $815 Millionen.

Die ersten beiden Phasen des dreiteiligen Bauprojektes sind inzwischen abgeschlossen; Versorgungsbauten, wie das Feuerschutz- oder Energiezentrum und vier große Lagerräume stehen bereits seit 2010 und auch das Konservierungszentrum mit insgesamt 12 Werkstätten und Laboren hat seine Arbeit inzwischen aufgenommen. Der dritte und größte Bauabschnitt, der Bau des Museums selbst sowie der dazugehörenden Infrastruktur und Außenanlagen, hat jedoch gerade erst begonnen. 40 Monate Bauzeit sind hierfür veranschlagt.

Hussein Abdel Bassir, Direktor des neuen Museums, verspricht mehr Platz, bessere Beleuchtung und mehr Informationen zu den Ausstellungsstücken. Wer den Unterschied zwischen dem Ägyptischen Museum in Kairo und bspw. dem Luxormuseum kennt, weiß, was er meint. Nun sind im Luxormuseum nur relativ wenige Stücke zu bewundern – im neuen Großen Ägyptischen Museum sollen es 100.000 Artefakte sein, darunter alleine 3500 Exponate zur größten Touristenattraktion: Tutanchamun.
Der neue Bau soll das Hauptmuseum für die gesamte altägyptische Zivilisation, von der vordynastischen Zeit bis zur griechisch-römischen Epoche, werden. Im Kairoer Museum am Tahrir-Platz sollen dann schwerpunktmäßig Skulpturen und andere Objekte aus der Bildhauerei zu sehen sein.

Den 2002 für das Konzept des Museumsbaus ausgeschriebenen internationalen Architekturwettbewerb gewann übrigens das irische Architekturbüro Heneghan Peng Architects vor einem österreichischen und einem italienischen Planungsentwurf.
Wer einen Eindruck davon gewinnen möchte, wie sich die Planer das Große Ägyptische Museum in Giza auch innen vorstellen, kann sich die kurze Slideshow auf der Startseite der GEM-Homepage ansehen.

Quelle:
Ahram Online
et al.

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3 Kommentar(e)

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  • Edgar

    Die internationl bereitgestellten finanziellen Mittel versicherten in undurchsichtigen Kanälen der Regierung. Bei meinem letzten Besuch war auf dem geplanten Gelände keine Baumassnahmen zu erkennen. Bedauerlicherweise spottet die Ausstattung des alten Ägyptischen Museum in Kairo jeglicher Beschreibung. Es sieht aus wie in einer Rumpelkammer. Dem entgegen kann nur der Besuch des sehr interessanten Museums in Luxor empfohlen werden. So sollten alle modernen Museen ausgestattet sein. Bedauerlicherweise herrscht überall Fotografierverbot. Aus diesem Grund besuche ich Ägypten nicht wieder.

  • Jolly Thews

    Ja, ob das GEM wirklich wie geplant im Sommer 2015 eröffnet werden kann, darf wohl bezweifelt werden. Deine Einschätzung zu den Museen teile ich übrigens; das Luxor-Museum ist wirklich großartig, was Darstellung und Begleitmaterial angeht. Mit dem Fotografieren hat man allerdings in den meisten Museen kein Glück (Ausnahme war vor 2 Jahren das neue Krokodilmuseum in Kom Ombo). Bei den allermeisten Stätten ist Fotografieren aber entweder erlaubt oder es lässt sich ein kostengünstiger Weg zum Wunschfoto finden. Wer Fotografieren will, für den ist Ägypten also durchaus (und immer wieder) eine Reise wert. Schließlich gibt es so viele fotogene Stätten…

  • Elli

    1. Kamera abgeben bevor alle ins Grab gehen.
    2. Wie soll einer bei hunderten von Menschen fotografieren.
    3. Es ist zu dunkel für Fotos.
    4. Da sind die Aufpasser überall…

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