Leopardenzähne und Kälberknochen – Antiker Wohnsitz gibt seine Geheimnisse preis

400m südlich der Sphinx entdeckten Archäologen eine kleine Villa mit 21 Räumen. Sie liegt in dem Stadtteil, der wahrscheinlich unter Pharao Mykerinos (der die letzte der großen Pyamiden von Gizeh in Auftrag gegeben hat) erbaut wurde. In ihr könnten vor 4500 Jahren einige ranghohe Beamte gewohnt haben. Zumindest weisen einige Funde darauf hin, die mehr über das Essen und die Kleidung der dortigen Bewohner verraten.

So fanden die Archäologen die Knochen von Kälbern und jungen Kühen, die erstaunlicherweise alle nicht älter als 18 Monate waren. Unter den 10 000 Knochen, die auf einem Hügel in der Nähe gefunden wurden, lagen hauptsächlich die Knochen von Kälbern, die nicht älter als 10 Monate waren und nur wenige von Ziegen und Schafen. Die Bewohner des Hauses haben sich also anscheinend hauptsächlich von Kalbfleisch ernährt.

Bei den Bewohnern des Hauses muss es sich um sehr, sehr ranghohe Beamte gehandelt haben, so Richard Redding, leitender Angesteller der „Ancient Egypt Research Associates“, auf einer Fachtagung.
Dies belegen auch Siegel, die in dem Haus gefunden wurden und die Titel wie „Schreiber des königlichen Behältnisses“ oder „Schreiber der königlichen Schule“ enthielten.


Leopardenzähne von der Kleidung

Ein weiterer interessanter Fund ist der von Leopardenzähnen. Zwei fanden sich in dem Haus selbst, zwei andere in einem naheliegenden Hügel. Leopardenknochen wurden aber nicht gefunden. Auf antiken Zeichnungen des Alten Reiches tragen hochrangige Beamte und Mitglieder der königlichen Familie oft Leopardenfelle, an denen noch der Kopf des Tieres hängt. Die Archäologen vermuten, dass die Zähne von diesen Kleidungsstücken stammen und sie einfach während des Tragens verloren gingen.

Mark Lehner, Leiter der „Ancient Egypt Research Associates“, sagte der LiveScience gegenüber, dass ranghohe Priester, so genannte Sem-Priester, Leopardenfelle trugen. Sem-Priester konnten zudem Mitglieder der königlichen Familie sein, so Lehner weiter.

Opferreste als Mahlzeit für die Bewohner

Dies könnte auch dazu passen, dass fast nur Hinterknochen von Kälbern gefunden wurden. Die Bewohner des Hauses scheinen den Verzehr von Vorderschenkeln vermieden zu haben. Auch hier könnten die Wandbilder der alten Ägypter helfen. Redding fand viele Beispiele, auf denen Menschen den Göttern Vorderschenkel opferten, aber fast kein Bildnis, auf dem ein Hinterschenkel zu sehen ist.
Die Bewohner haben also wahrscheinlich die Reste von Opfergaben gegessen.

Die Archäologen hoffen nun die Stellen finden zu können, an denen geopfert wurde. Wenn in dem Haus nur Hinterknochen gefunden wurden, müsste es noch eine Stelle geben, an der jede Menge Vorderknochen zu finden sind, so mutmaßt Redding. Dort müsste dann der Opferplatz gewesen sein.

Großer Versorgungskomplex

2011 fanden Redding und sein Team schon so eine Stelle, die in Frage kommen könnte. Sie wird unter Archäologen „Silo Gebäudekomplex“ genannt und liegt nahe eines Monumentes, das Königin Khentkawes, möglicherweise eine Tochter Mykerinos‘, zugeordnet wird.

Die Analysen der dort gefundenen Knochen in 2012 zeigen eine starke Tendenz zu Vorderschenkeln. Größere Proben sollen die Forscher im Februar bekommen. Doch Redding vermutet schon jetzt, dass in dem Komplex höchstwahrscheinlich königliche Priester beschäftigt waren.

Nahe des Gebäudekomplexes fanden die Archäologen ein Becken, das vielleicht ursprünglich zu einem großen Hafen gehört haben könnte. Zudem war das Gebäude umgeben von Bäckereien und einigen Getreidesilos. Vielleicht wurde hier die Versorgung reguliert und Brot und andere Opfergaben produziert, so Lehner.

Der Komplex wird ein wenig später, nachdem die Pyramiden von Gizeh erbaut wurden, datiert. Früher könnte dort eine Stadt gelegen haben, in der die Menschen wohnten, die am Bau der Pyramide von Pharao Chephren (Erbauer der zweiten großen Pramide von Gizeh) beteiligt waren.

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