Südostseite der Grabkammer 1 mit Wandnische

Ungeplündertes Massengrab in Gebel el-Silsila entdeckt

In Gebel el-Silsila, nördlich von Kom Ombo zwischen Assuan und Luxor gelegen, fand die dort seit 2012 grabende schwedisch-ägyptische Mission einen 5m tiefen Grabschacht, der zu zwei hintereinander liegenden Grabkammern führt. Obwohl die Kammern teilweise von Wasser überflutet sind, konnte das Team um Dr. Maria Nilsson und John Ward von der schwedischen Lund Universität bereits einige Sarkophage bergen. Sie schätzen, dass mindestens 60 Bestattungen in dieser Grabanlage zu finden sind.

Die Grabkammern sind beinahe 3500 Jahre alt und stammen aus der Zeit der Thutmosiden, 18. Dynastie. Unter den bisher bekannten ca. 60 Leichnamen sind etwa ein Drittel Kinder. Kein anderes Grab in der Gegend hat so viele Bestattungen aufzuweisen und das Team um Dr. Nilsson glaubt, dass sich diese Zahl im Laufe der weiteren Erforschung des Grabes durchaus noch erhöhen könnte. Die Tatsache, dass unter den Bestatteten so viele Frauen und Kinder sind zeigt, dass es im Arbeiterdorf des antiken Chenu eine komplette Gesellschaft mit vielen Familien gegeben haben muss. In Chenu war einer der größten Sandstein-Steinbrüche des alten Ägyptens.

John Ward (2.v.l) und sein Team heben einen Kindersarkophag aus dem Wasser

Drei Sarkophage aus Sandstein hat das Team in den überfluteten Grabkammern bereits gefunden, zwei davon sind auch bereits geborgen und geöffnet. Einer gehörte einem Kind, der andere einem Baby. Der dritte enthält wohl auch ein Baby, ist aber noch nicht weiter untersucht worden. Trotzdem ist das Team sicher, dass hier mindestens drei Generationen begraben wurden, die in die Regierungszeiten von Thutmosis II und seiner Gemahlin Hatschepsut, Thutmosis III, bis hin zu Amenhotep II reichen.

Skarabäus mit Mencheperre-Inschrift. Foto: Anders Andersson

In den Kammern wurden viele Grabbeigaben gefunden, z.B. Skarabäen – darunter auch ein Skarabäus mit der Beschriftung Men-Cheper-Re, dem Thronnamen von Thutmosis III –, Siegelsteine, Ushebtis und Schmuck. Große Amphoren, Bierkrüge, Schalen und andere Keramiken sind ebenfalls unter den Funden.

Wenngleich die Forscher sicher sind, dass das Grab auch schon in der Antike, vermutlich infolge eines Erdbebens, überflutet war, so ist das aktuelle Wasserproblem jedoch ein neues, das mit einem Plüderungsversuch aus dem Jahr 2010 zusammenhängt. Damals hatten Plünderer mit einem Bagger nach Gräbern gesucht und waren mit dem Baggerarm auch in diesen Schacht vorgedrungen. Infolge der Erschütterungen und Beschädigungen durch den Bagger, konnte aber erneut Nilwasser bzw. Grundwasser in dieses Grab eindringen. Die Plünderer hatten dann Geröll und Sand in das Loch geschüttet, um ihre Tat zu verbergen. Das Forscherteam pumpt seit der Freilegung des Schachts nun jeden Tag so viel Wasser wie möglich ab, um im Grab arbeiten zu können, aber in der Nacht steigt der Wasserspiegel dann wieder an. Eine Lösung für dieses Problem ist noch nicht gefunden, da man die Pumpen nicht unbeaufsichtigt laufen lassen will.

Blick vom Schacht in die überflutete Grabkammer. Foto: Anders Andersson

Dass der Schacht im vergangenen Jahr überhaupt entdeckt wurde, ist John Ward, dem Vize-Direktor der Mission, zu verdanken. Er sei mit einem „Gespür für die archäologische Landschaft“ ausgestattet, sagte uns Dr. Maria Nilsson. Nur eine kleine Mulde im Sand hatte darauf hingedeutet, dass der Boden an dieser Stelle vielleicht anders sein könnte. Deshalb schlug Ward vor, genau an dieser Stelle zu graben. Er sollte Recht behalten.

Die Auswirkungen des Baggers waren deutlich zu sehen, als man erst einmal den oberen Teil des Schachtes gefunden und geleert hatte. Der Schachtdeckel fehlte und in der Schachtwand fanden sich deutliche Spuren der Metallschaufel. Im Inneren der Kammern sind keine Plünderungsspuren zu erkennen, weshalb die Forscher sicher sind, dass die Plünderer die Kammern selbst nicht betreten hatten. Durch die Bewegungen von Wasser, Sand und Schlamm sind aber die Artefakte und vor allem an die menschlichen Überreste ziemlich durcheinandergewürfelt worden. Bis Jahresende soll zunächst noch gegraben werden, danach wird man sich wohl erst mal mit der Forschung an den Fundstücken beschäftigen.

Mehr über die Projekt-Arbeit und auch über dieses Grab findet ihr im Blog des Gebel el Sisila Projekts.

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