Cheops-Pyramide nicht ganz symmetrisch

Die große Pyramide von Gizeh ist das einzige verbliebene der sieben Weltwunder. Aber sie ist nicht perfekt. Ihre Grundlinien ergeben kein perfektes Quadrat, ihre Diagonalen stehen nicht perfekt im rechten Winkel zueinander. Ein Forscherteam der Glen Dash Foundation fand nun heraus, dass die Ost- und die Nordseite etwas kürzer sind als die ihnen gegenüber liegenende West- bzw. Südseite.

Die große Pyramide von Gizeh wurde vor etwa 4.500 Jahren erbaut für den Pharao Cheops (Khufu). Sie war einmal mit glatten, weißen Außensteinen aus Tura-Kalkstein verkleidet. Diese Verkleidungssteine wurden in späterer Zeit aber fast vollständig entfernt und als Baumaterial für andere Bauvorhaben verwendet. Daher gibt es heute keine Anhaltspunkte mehr dafür, wo einmal die originalen Ecken der Verkleidung waren. woher also wollen die Forscher nun wissen, wie lang die einzelnen Seiten ganz genau waren?


Wo waren einmal die Kanten der Pyramide?

Sie versuchten, direkt vor den Pyramidenseiten auf dem Plateau Spuren zu finden, die von der ursprünglichen Verkleidung stammten und anhand derer man die genaue Außenkante der Pyramide festlegen konnte. So fanden sie insgesamt 84 Punkte, die zeigten, bis wie weit die Außenverkleidung einmal gegangen war. Aus diesen Punkten wurden dann diejenigen Linien errechnet, welche die Außenkanten der Pyramiden einmal gehabt haben müssen. Und dort, wo sich diese Linien schneiden, müssen einmal die Ecken der Außenverkleidung gewesen sein.

Alle in der Mitte

Leider befinden sich fast alle gefundenen Punkte in den Mitten der vier Seiten, wodurch der Verlauf der erechneten Linien umso ungenauer wird, je weiter man sich von dieser Mitte entfernt. Oder anders ausgedrückt: Die Abweichung eines gefundenen Punktes in der Seitenmitte um nur einen Zehntelmillimeter ergibt bei der durch diesen Punkt gezogenen Linie in 100m eine viel größere Abweichung. Die Bestimmung der Punkte musste also äußerst exakt erfolgen. Diese Aufgabe fand unter der Leitung des US-amerikanischen Archäologen Marc Lehner statt. Trotz aller Sorgfalt verbleibt jedoch ein gewisser Ungenauigkeitsfaktor, da an den Ecken eben keine Referenzpunkte gefunden wurden.

Nur zwei Seiten exakt gleich lang

Die Resultate dieser Berechnungen ergeben, dass die Länge der Westseite mindestens 230,38 m und höchstens 230,44 m betrug. Als Mittelwert wird eine Länge von 230,41 m angenommen. Die Ostseite war dagegen „nur“ 230,33 m lang (Mittelwert). Für die Nordseite errechnen die Forscher um den Ingenieur Glen Dash eine mittlere Länge von ebenfalls 230,33 m, wohingegen die Südseite im Mittel ganze 230,38 m lang gewesen sein soll.

Die Daten würden weiter ausgewertet, schreibt Glen Dash in einer Bewertung seiner Ergebnisse. Aber schon jetzt habe man einen neuen Ansatz für die Größe und Ausrichtung der großen Pyramide beitragen können. Er hofft, im Verlaufe seiner Forschungen mehr darüber erfahren zu können, wie es den alten Ägyptern gelingen konnte, die Pyramide so exakt zu bauen und welche Werkzeuge, Techniken und Hilfsmittel ihnnen dabei zur Verfügung standen.

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17 Kommentar(e)

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  • Merz Andreas

    Diese Mitteilung lockt in mir nur ein müdes Lächeln hervor! Wo wir doch in den 60ern eine UNESCO benötigten, um den Tempel Ramses II ein paar Meter weit zu versetzen…
    Ich möchte mal heutigen Bauingenieuren zusehen, wie sie Chufus Werk realisieren würden…

  • Promachus

    Das Ganze ist ein Schätzspiel, und die Meldung nur bedingt glaubhaft, da die Aussenhülle Steine nur mehr an ein paar Meter existieren!

    Im Original heisst es so:
    They found that the east side of the pyramid originally measured somewhere between 755.561 and 755.817 feet (230.295 to 230.373 meters), while the west side of the pyramid originally measured somewhere between 755.833 and 756.024 feet (230.378 to 230.436 m

  • Promachus

    Ich persönlich wäre ja geneigt die modernen Ägypter dazu verdonnern, die beiden Pyramiden wieder in den Urzustand zu setzen. (siehe Spitze Chephren)

  • Jolly Thews

    Natürlich ist das Ganze auch mit Schätzung vebunden, da man ja keine Punkte in den Ecken fand, sondern diese aus den Punkten der Mitte extrapolierte. Aber die erhaltenen Ergebnisse sind absolut glaubhaft, denn man hat sich nicht nur die (wenigen) noch vorhandenen Steine der Außenhülle angesehen, sondern hat entlang aller vier Seiten nach Spuren der originalen Außenhülle gesucht und davon 84 Punkte gefunden.
    Fotos davon findet man übrigens hier.

  • Promachus

    diese „Abdrücke“ der äusseren steine halte ich für alles nur nicht präzise. (kein Wunder nach mindestens 2000 jahren) Das sieht man auch gut in dem Link.

    Eine genaue Messung wird’s ohnehin nicht mehr geben.
    Aufwand hin oder her.

  • Promachus

    bins nochmal (sorry)
    „Nur zwei Seiten exakt gleich lang“
    Für zwei Seiten schafften die Das, und bei den restlichen Zwei wurde dann geschlampt oder wie? (kopfschüttel)

    Ich finde den Titel sowieso schon komisch. Wem würde einfallen eine Pyramide mit 150 Metern Höhe und 230m Länge bei Längenunterschieden von unter 10cm (wenn’s stimmt) als nicht symetrisch darzustellen? Noch dazu 4500 Jahre vor unserer Zeit. (man vergleiche das ca. zeitgleiche lächerliche Stonehenge um das alle immer so einen Wirbel machen)

  • Anne Hesmer

    Ehh.. Stonehenge ist etwas älter. Und daher nicht so ein gleichwertiger Vergleich, (von dem Bauniveau her)Abgesehen davon ,dass beide Bauwerke nach den für beide Völker wichtigsten Sternkonstellationen exakt ausgerichtet wurden. Das ist den beiden Völkern schonmal hoch anzurechnen.
    Dann ist da die Sache mit den Werkzeugen. Bei Stonehenge wurde nix bemeißelt. Da ist das Ausfrichten der großen Hinkelsteine schon schwierig gewesen. Und bekanntlicherweise tüftelt nan noch heute rum,wie die Pyramiden erbaut wurden. Dass sie nicht ganz auf den Milimeter genau korrekt sind,kann mit daran liegen,dass so super genaue Maßangaben wie Milimeter und Zentimeter die Ägypter nicht hatten. Da maß man mit Ellen und Fingern.Handbreiten. Also eher Pi mal Daumen.
    Kennt ihr die Regel vom „Goldenen Schnitt“? Diese kommt in Bauwerken und der Natur vor. Es ist eine regelmäßige Unregelmäßigkeit. Im Bauwerk äußert sich das so:
    Bsp. Der Tempel in Athen. Die Säulen und deren Abstände sehen für das bloße Auge gerade und gleichmäßig aus. Beim messen stellte man aber fest,dass die Säulen schief sind und die Abstände alles andere als gleichmäßig. So,wie jetzt hier bei Khufus Pyramide die Unregelmäßigkeit festgestellt wurde. Mit blosem Auge fällt das nicht wirklich auf. Sonst wäre das schon früher aufgefallen. Oder?
    Das Beispiel des goldenen Schnittes in der Natur:
    Am Stängel einer Pflanze sieht auf dem ersten Blick die Anordnung der Blätter ungleichmäßig aus. Aber denkt man sich von Blatt zu Blatt eine Spirale, sitzen sie wieder in regelmäßigen Abständen von einander am Stängel. Also ,die Unregelmäßigkeit ist in messbarer Regelmäßigkeit vorhanden. Und nein, dies ist nicht aus einem Erich van Däniken-Buch, sondern ist Wissenschaftlich erwiesen und Bestandteil in der Ausbildung zum Tattoovierer. 😉 Macht euch mal den Spaß und googlet nach dem „Goldenen Schnitt. “ Vielleicht erklärt das ja ein bisschen, warum die Pyramide von Khufu so ist, wie sie ist.

  • Anne Hesmer

    Noch eine Idee. ….
    Ein weiterer Grund kann die erbaute Unregelmäßigkeit unterstützen….

    Jedes Material arbeitet. Auch Stein. Dh der felsige Untergrund bewegt sich. Und die Sandstürme schmirgeln auch noch an den Bauwerken rum. Das bringt zusätzliche Abweichungen.

    Jolly,was hältst du davon? Von beiden meiner Überlegungen?

  • Jolly Thews

    Also der goldene Schnitt hat m.E. nichts mit kleinen Unregelmäßigkeiten zu tun, sondern beschreibt eine bestimmte, gleiche Proportion von Größen oder Längen zueinander bzw. zur Gesamtgröße / -länge. Das kann man in diesem Fall daher nicht anwenden, denke ich.

    Dass die meisten Materialien arbeiten, ist natürlich richtig. Wenn aber an einem Bauwerk eine Seite um 10cm länger wird, dann geht das nicht, ohne dass irgendwo Risse entstehen. Ich denke, davon hätten wir schon mal gehört, wenn durch die Pyramiden Spannungsrisse gingen. Aber da bin ich kein Fachmann.

    Ich denke, die Bauherren wollten damals eine perfekte Pyramide bauen und haben es vielleicht auch getan. In der neuen wissenschaftlichen Untersuchung gibt es ja einige Ungenauigkeits-Faktoren (Punkte nur in der Mitte, etc.), so dass man die Genauigkeit der errechneten Daten durchaus anzweifeln kann. Aber selbst wenn man die Daten als richtig annimmt, dann gibt die Studie ja nur Mindest- und Höchstwerte für die vier Seitenlängen an. Zwar unterscheiden sich die Mittelwerte, wie oben im Artikel beschrieben, aber nach den Ergebnissen der Untersuchung wäre eine Länge von 230,37 m für alle vier Seiten möglich. Für die Westseite ist das die angegebene Mindestlänge und für die Osttseite wäre es die errechnete Maximallänge.
    Diese Studie liefert also Hinweise, aber keine Beweise, dass die Seiten deutlich unterschiedlich lang waren!

  • Promachus

    Prinzipiell spricht weder der damalige Wissensstand noch die technischen Möglichkeiten dagegen das man die erste „Lage“ auf den cm genau gelegt hat.

    Vereinfacht gesagt:
    Da wurde zuerst das einzufassende Areal mit Stöcken ausgesteckt woran Seile befestigt wurden. Wenn mann dann innerhalb dieses vermessenen Quadrats bleibt, muss man lediglich die äussersten Blöcke (Verkleidung) so zuschneiden das sie an die Seile angrenzen.

  • Anne Hesmer

    Und so lernt man wieder was dazu. Danke euch. 😉
    Ich bringe lediglich nur meine Gedankengänge ein. Aber finde es toll wenn man mir dann das erklärt wenn ich dran vorbei denke. 🙂
    Aber gerade das finde ich so spannend. Dass man dadurch immer wieder dazu lernt. Hat man die Restverkleidung an der Spitze der Pyramide mit einbezogen?
    oder nur diese, die Am Boden befindlich sind?

  • Anne Hesmer

    Mir kommt noch eine schräge Idee… Aber ich glaub dass diese nicht ganz so daneben ist“^^
    Wurden schon die anderen Pyramiden ausgemessen und auch die der anderen Völker, wie die der Azteken, Inkas und Chinesen? Denn dann wäre es interessant ob diese der anderen Völker auch Abweichungen in ihren 4Seitenlängen haben oder nicht. Und wie sehr sie sich in ihrer Geometrie ähnlich sind. Und dann wäre es auch interessant, ob zb die Stufenpyramide in Sakkara ihre Seiten wirklich 1a gleich lang hat oder ob auch da kleine Unterschiede sind? „^^ Je mehr ich drüber nachdenke,umso mehr Fragen fallen mir ein..

  • Sabine

    Ich dachte da kommt noch was…. was für eine Sensation! Dass die Pyramide die grösste in Giza ist, in Ägypten steht und xyz m hoch ist und noch ein paar andere danebenstehen und der Sphinx auch – was, in Ägypten, ein Sphinx auch – hach! – muss man den Lesern jedesmal neu hinschreiben. Tolle Berichterstattung. Mein Gott!

  • Sabine

    Nur 2 gleichlange seiten, wie bitte geht das mit einem Zirkel? Nur so am Rande. Danke.

  • Selket

    Die Grundaussage des Artikels scheinst du überlesen zu haben, Sabine. Naja, kann ja mal passieren 😉 Ist sicher keine Sensation, dennoch nicht uninteressant.
    Die zweite Frage verstehe ich ehrlich gesagt nicht so ganz. Wo steht denn was von Zirkel?

  • Sabine

    Ich denk mal die hatten Schnüre, zum Ablängen von Strecken, ähnlich wie ein Zirkel wenn man um einen Stock in der Mitte einen Kreis damit zieht. Die sollen die Pyramiden mit der primitivsten Technik gebaut haben… Die Steine wurden ja auch mit Kupferwerkzeugen gemeisselt. Baumwolle kommt auch aus Ägypten, vielleicht ist die beim Waschen eingegangen.

  • Sabine

    P.S. Wenn Hawass dabei ist, kommt sowieso nichts raus.

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