Im Tal der Könige warten weitere Gräber auf ihre Entdeckung

Im Tal der Könige warten noch viele Gräber auf ihre Entdeckung – so die Überzeugung eines Forscherteams. Sie untersuchten das Tal der Könige von 2007 – 2010 mit Hilfe von Radarmessungen. Es war die umfangreichste Untersuchung seit fast einem Jahrhundert.

Das Team von Archäologen und Mitarbeitern der „Glen Dash Foundation of Archaeological Research“ konnte während ihrer Untersuchungen zumindest schon einige Entdeckungen machen. Dazu gehört ein Überschwemmungskontrollsystem, das die alten Ägypter zunächst bauten, aber letztlich nicht aufrecht erhielten. Das System verfiel somit um die Zeit Tutanchamuns und zerstörte dabei mehrere Gräber – aber die Geröllmassen, die durch eine Überschwemmung ausgelöst wurden, verschütteten dabei auch das Grab Tutanchamuns und schützten es so vor der Entdeckung durch Grabräuber.

Die Suche nach neuen Gräbern

Der Leiter des Projektes, der Ägypter Afifi Ghonim, meinte, es könne Jahre dauern, die Riesenmenge an Daten auszuwerten, die durch die Messungen zusammengetragen wurden. Mehrere kleinere Gräber, ähnlich den zuletzt gefundenen KV63 und KV64, könnten noch im Tal der Könige liegen, so Ghonim. Einige Gräber, wie die der Königinnen aus der späten 18. Dynastie und die einiger Pharaonen wie Ramses VIII., warten noch immer auf ihre Entdeckung. Eine genaue Anzahl lässt sich natürlich nur vermuten, aber Ghonim sprach von „mehr als ein paar“.


Auch der ehemalige Leiter der ägyptischen Altertümerverwaltung, Zahi Hawass, sprach auf einer Vorlesung im Sommer in Toronto von den unentdeckten Gräbern und einer möglichen „neuen Ära der Archäologie“.

Die Schwierigkeiten bei der Suche

Das Tal der KönigeNeue Gräber zu entdecken, ist selbst mit Radarmessungen schwierig. In dem unebenen Gelände des Tals gibt es viele Abweichungen und natürliche Formen, die ähnlich aussehen wie Mauern und Gräber.
Ein Team, das schon früher einmal Radarmessungen durchgeführt hatte, vermutete in einem bestimmten Bereich die Gräber der Amarna-Zeit (Echnaton-Tutanchamun), doch Ausgrabungen brachten dort nichts zu Tage.

Außerdem könnte es durchaus sein, dass in den Gräbern nicht der ursprüngliche Grabinhaber gefunden wird, wie es auch bei dem im Jahr 2010 gefundenen Grab KV64 der Fall war, in dem eine Sängerin namens Nehmes Bastet vor etwa 2800 Jahren bestattet wurde. Das Grab stammt aber vermutlich aus der 18. Dynastie, war also bereits 700 Jahre alt, als die Sängerin es sozusagen „wiederverwendete“. Wen sie dort verdrängte, für wen das Grab also ursprüglich gedacht war, konnte bisher nicht herausgefunden werden.

Antikes Kontrollsystem regulierte Überschwemmungen

Neben dem Überschwemmungskontrollsystem fanden die Archäologen mehrere Grafitti und Hütten von Arbeitern. Doch das Kontrollsystem ist sicherlich die bislang interessanteste Entdeckung. Es sollte die Gräber vor Schäden durch Wasser und Schutt schützen.
Es besteht aus einem tiefen Kanal, der etwa 10m unter der heutigen Oberfläche verlief. Ein Teil der Anti-Überschwemmungsmaßnahmen bestand darin, den Kanal von Schutt zu befreien und Seitenkanäle zu bauen, durch die das Wasser abfließen konnte. So konnten Wasser und Schutt durch das Tal fließen, ohne Schäden anzurichten.

Aus welchen Gründen auch immer ließen die Ägypter den Kanal schnell wieder verfallen, so dass schon zur Zeit Tutanchamuns Überschwemmungen, die von großen Mengen an Regenwasser ausgelöst wurden, wieder zu einem Problem wurden. Auch heutzutage gibt es diese Problematik noch und die Forscher überlegen fieberhaft, wie sie dies lösen könnten. Doch die Tatsache, dass das Tal der Könige geöffnet bleiben muss und die hohen Kosten, die ein solches Projekt verschlingen würde, sind eine große Herausforderung.

Eine wichtige Hilfe, solche und andere Projekte voranzubringen, ist vor allem der Tourismus. Denn die Gelder daraus fließen nicht nur in die Wirtschaft, sondern auch in Ausgrabungen und in den Erhalt antiker Stätten und Objekte.

Den gesamten Artikel findet ihr bei LiveScience

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