Die Nordwand. Faksimile von Tuts Grab

Nofretetes Grab? Reeves legt neue Indizien vor (Teil 1)

Der britische Ägyptologe Nicholas Reeves, der 2015 die Fachwelt in Aufruhr versetzt hatte, als er in Tutanchamuns Grab Hinweise auf versteckte Kammern gefunden haben wollte (wir berichteten), legt in einem wissenschaftlichen Papier nun neue Indizien für seine Theorie vor, nach der Tuts Grab nur der vordere Teil des Grabes von Nofretete ist. Dabei hatte Ägyptens Antikenministerium nach mehreren Radarscans erst 2018 verkündet, dass es keine geheimen Räume hinter den Wänden des Grabes KV62 gäbe und Reeves‘ Theorie damit vermeintlich den Todesstoß versetzt. Aber Totgesagte leben bekanntlich länger und als in diesem Frühjahr bei geoelektrischen Untersuchungen im Tal der Könige festgestellt wurde, das es nahe Tuts Grab doch unerklärbare Hohlräume gibt (siehe hier), wirkte dies wie ein Defibrillator. Reeves‘ neue Untersuchungen bestätigen nun, dass sich seine Theorie bester Gesundheit erfreut und das Antikenministerium sie nicht übergehen kann.

Reeves‘ neues, auf academia.edu veröffentlichtes Papier mit dem Titel „The Decorated North Wall In The Tomb Of Tutankhamun (KV 62) – The Burial Of Nefertiti? II“ ist 83 Seiten lang. Wir möchten es hier daher in zwei Teilen vorstellen. Der folgende Teil 1 wird sich mit dem Kernthema befassen, den auf der Nordwand dargestellten drei Szenen, und die Frage beantworten, was laut Nicholas Reeves davon zu Nofretete und was zu Tutanchamun gehört. Teil 2 wird die Bewertung der drei Radarscans durch einen unabhängigen Experten enthalten, von einer großflächigen Neubemalung kurz nach (!) Carters Grabfund berichten und den aktuellen Stand von Reeves‘ Theorie noch einmal zusammenfassen.

Das Besondere an der Nordwand

Dekoration der Nordwand. © Factum Arte / Antikenministerium Ägypten

Dass die Nordwand, hinter der Nicholas Reeves einen Zugang zum Grab Nofretetes vermutet, sich von den anderen drei Wänden der Grabkammer unterscheidet, war der Kunsthistorikerin Gay Robins schon 1984 aufgefallen. Sie hatte bemerkt, dass dort Figuren nach dem für Amarna typischen Raster mit 20 senkrechten Rasterfeldern gemalt wurden, während auf den anderen drei Wänden das für die Nach-Amarna-Zeit gängige 18-Feld-Raster verwendet worden war. Zum Zeitpunkt von Tutanchamuns Tod wurde eindeutig das 18er-Raster verwendet. Wie also kommen Figuren, die nach dem „alten“ 20er-Raster gemalt wurden, auf diese eine Grabwand? Das Getty Conservation Institute, das von 2009 bis 2018 Restaurierungsarbeiten im Grab durchführte, mutmaßte, dass vielleicht zwei unterschiedliche Handwerkergruppen an den Wänden der Grabkammer gearbeitet hatten, von denen eine aus älteren Arbeitern bestand, die noch nach dem alten Muster arbeiteten. Aber ist das wirklich eine gute Erklärung für einen Stilmix in einem Königsgrab?
Das Getty Institut hatte aber noch weitere Unterschiede gefunden:

► Nur auf der Nordwand gibt es unter den bis zu 8 übereinander liegenden Putz- und Farbschichten eine Schicht mit grauem Feinputz. Auf den anderen drei Wänden fehlt diese Schicht. Warum war diese Wand anders verputzt worden als die anderen?

► Auf den anderen drei Wänden war der gelbe Hintergrund flächendeckend auf die Wände aufgebracht worden und alle Figuren wurden dann darauf gemalt. Auf der Nordwand dagegen war der Hintergrund ursprünglich ein weißer gewesen; die heute zu sehende, gelbe Hintergundfarbe war erst nachträglich „um die Figuren herum“ gemalt worden.

► Einige Farben sind auf der Norwand etwas anders, als auf den anderen drei Wänden; so ist das Gelb hier heller und das Grün blasser.

► Die Rasterlinien sind hier nicht gemalt, sondern in den Gipsputz hinein geritzt worden.

Im Gegensatz zum Getty Institut glaubt Nicholas Reeves nicht an unterschiedliche Handwerkerkolonnen, er glaubt, dass die Nordwand schon in der Amarnazeit bemalt wurde (er nennt dies Phase I) und dass später, als dieser Raum für Tutanchamuns Begäbnis zur Grabkammer umgestaltet wurde, diese Wand dann für seine neue Nutzung „angepasst“ wurde (Phase II). Hierfür sucht (und findet) er Indizien in den Figuren und Beschriftungen der Nordwand. Zur leichteren Identifizierung teilt er die Nordwand in 3 Szenen auf (rechts, Mitte, links), nummeriert die Figuren durch und gibt den Textspalten jeweils einen Buchstaben (siehe folgendes Bild).

Umzeichnung der Nordwand mit Bezeichnung der Figuren und Textspalten. © Lily Jung

Szene 1: Ein jugendlicher Eje?

Nach bisheriger Meinung zeigt diese Szene rechts Pharao Eje in der Tracht und Funktion eines Sem-Priesters (Fig. 1), wie er die Mundöffnungszeremonie an dem verstorbenen Tutanchamun (Fig. 2) durchführt. Die Identität der beiden Personen wird durch die Kartuschen über ihren Köpfen klar bezeugt. Ihre Gesichter sprechen aber eine ganz andere Sprache, meint Reeves. Das Gesicht der Person 1 sei das eines gut genährten, vorpubertären Jugendlichen mit leichtem Doppelkinn, einem Merkmal, das auf vielen Abbildungen und auch Statuen von Tutanchamun zu sehen ist. Eje hingegen war schon ein alter Mann, als er nach Tuts Tod Pharao wurde. Warum hätte man einen alten Mann als pausbäckigen Jugendlichen darstellen sollen?

Der Verstorbene, angeblich Tutanchamun, hat dagegen ein schlankes Gesicht, ein flaches Unterkinn und eine senkrechte Falte am Mundwinkel; Merkmale, die häufig in Abbildungen von Nofretete – so auch an ihrer berühmten Büste – zu sehen sind. In seiner Gestalt als Osiris hat er/sie auch einen längeren Oberkörper und kürzere Beine, als der Osiris auf der linken Seite der Wand (Figur 7). All das spricht mehr für eine Frau als für einen Mann.

Aber es sind nicht die Bilder alleine, auch in den Kartuschen sieht Reeves einen Hinweis. In Ejes Namenskartusche sieht man unter dem Zeichen „netjer“ (Gott) oben links die Spuren eines übermalten Schilfblattes, wie es in der Namenskartusche von Tutanchamun genau an dieser Stelle vorkommt. Stand hier also ursprünglich (in Phase I) einmal der Name Tutanchamuns?

Kartuschen: links Eje, rechts Tutanchamun © Factum Arte / Antikenministerium Ägypten

Dann hätte diese Szene in Phase I, also der ersten, ursprünglichen Bemalung, den ganz jungen Pharao Tutanchamun dargestellt, der das Ritual an seinem Vorgänger Semenchkare – in Wirklichkeit Nofretete – durchführt. In Phase II, nach Tuts Tod, hätte man dann die Szene umgewidmet, indem man die Kartuschen weißte und neue Namen hineinschrieb. Außerdem übermalte man noch den weißen Hintergrund um die Figuren herum gelb, um die Wand farblich an die anderen drei Wände anzupassen. Da man die Gesichter der Figuren nicht veränderte, muss man wohl in großer Eile gewesen sein, sonst hätte man die Wand vermutlich gänzlich neu gestaltet.

Einteilung der Gesichter

Nachdem er in Szene 1 Unterscheidungsmerkmale in den Gesichtern festgestellt hatte, die er Tutanchamun und Nofretete zuordnen zu können glaubte, sah Reeves sich alle sieben Gesichter der Norwand an und fand Gemeinsamkeiten.

Gesichter auf der Nordwand. © Factum Arte / Antikenministerium Ägypten

Reeves teilt die Gesichter in drei Gruppen ein. Die Figuren 1,3 und 6 zeigen das naturalisierte Auge und ein leichtes Doppelkinn; sie stellen seiner Meinung nach Tutanchamun dar, wenngleich das Gesicht bei 3 und 6 älter und gereifter aussieht als bei Figur 1. Die Figuren 2, 5 und 7 haben das formale Auge, ein flaches Unterkinn, die Falte am Mundwinkel und eine doppelte Halsfalte; Merkmale, die nach Reeves‘ Meinung Nofretete verkörpern.
Das Gesicht von Figur 4, der Göttin Nut, fällt in keine der beiden Gruppen sondern scheint eine andere Person darzustellen. Berücksichtigt man, dass die männlichen Götter meist das Gesicht des Pharaos trugen, so könnten die weiblichen Gottheiten mit dem Gesicht der Großen Königlichen Gemahlin versehen worden sein. In dem Fall hätten wir es in Phase II mit Anchesenamun, Tuts Frau, zu tun; in Phase I wäre dies wohl Meritaton, die schon für ihren Vater Echnaton als Gemahlin fungierte und später dann auch für seinen Nachfolger Semenchkare, mit vollem Namen Anchcheperure Semenchkare-Djesercheperu. Diesen Namen hatte Nofretete angenommen, um nach dem Tod Echnatons als Pharaonin zu herrschen, glaubt Reeves.

Sein Fazit aus der Kategorisierung der Gesichter ist: Als die Wandbemalungen aus Phase I umgearbeitet wurden für Tutanchamuns Begräbnis (Phase II), beließ man einige Figuren unverändert. Dort allerdings, wo wir Tutanchamuns älteres Gesicht sehen (Fig. 3 und 6), muss diese Figur in Phase II umgearbeitet worden sein. Dass es auch dafür deutliche Hinweise gibt, zeigt Reeves an Szene 2 auf.

Szene 2: Die Geschlechtsumwandlung

Raster gelb: 20, schwarz: 18. © Factum Arte / Antikenministerium Ägypten

In Szene 2 steht der verstorbene Tutanchamun (Fig. 3) vor der Himmelsgöttin Nut (Fig. 4). Er hat das typische Gesicht mit dem leichten Doppelkinn, das allerdings älter erscheint, als das der Figur 1. In Phase I müsste hier ein Gesicht mit den Merkmalen Nofretetes gewesen sein, denn sie war die Verstorbene; wurde also dieses Gesicht übermalt?
Was bei dieser Figur auch auffällt, ist der große Kopf und Oberkörper, im Vergleich zu den Figuren 1,2 und 4. Nach Reeves‘ Meinung folgt hier der Oberkörper dem neueren 18er-Raster, während die Beine noch nach dem „alten“ 20er-Raster gemalt wurden.

Nach seiner Theorie wurde hier also einer Figur der Phase I in Phase II ein neuer Oberkörper und Kopf verpasst. Das Warum ist schnell geklärt: Diese Figur stellt ja den Verstorbenen dar, und das war in Phase I eben eine Frau! Die Umwandlung in einen Mann ging „obenrum“ anscheinend am einfachsten mit einer Übermalung. „Unten herum“ reichte eine Anpassung, meint Reeves. Das lange, weibliche Gewand und die langen Enden der Schärpe wurden etwas gekürzt und somit zu einem hochgesteckten, männlichen Kilt. Spuren des ursprünglichen, langen Gewandes sieht man noch in einem etwas dunkleren Gelb um das vordere Bein herum sowie an einem schräg verlaufenden Strich über dem Knöchel des hinteren Beines (wo das lange Gewand diesen kreuzte).

© Factum Arte / Antikenministerium Ägypten

Die Darstellung der Göttin Nut blieb, ebenso wie die Figuren 1 und 2, in Phase II unverändert bestehen. Hier gibt es keine Anzeichen, dass irgendetwas übermalt oder geändert wurde. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass wir hier die Gesichtszüge der Großen Königlichen Gemahlin Meritaton sehen, wie oben bereits ausgeführt.

Szene 3: Dazwischen gequetscht?

Diese dritte Szene ganz links zeigt Tutanchamun in der Mitte, sein Ka steht hinter ihm, wie er von Osiris in der Unterwelt willkommen geheißen wird. Was Reeves hier als Erstes auffiel ist, dass die Szene sehr „gedrängt“ aussieht. Er vermutet, dass Tutanchamun als mittlere Figur nachträglich eingefügt wurde, zumal sich ohne diesen „Einschub“ die ganze Wand in einer symmetrischen Komposition zeigen würde: drei Szenen mit je zwei Figuren. Für diese Theorie des nachträglichen Einfügens der mittleren Figur findet er folgende Indizien:

© Factum Arte / Antikenministerium Ägypten

► Der verstorbene König in der Mitte hat das erwachsene Tut-Gesicht aus Phase II. Tuts Ka und auch Osiris (Fig. 7) haben dagegen das Gesicht mit den Nofretete-Merkmalen aus Phase I.

► Die mittlere Figur (6) wurde auf gelbem Hintergrund gemalt, der Ka (Fig. 5) dagegen auf weißem, wie an den Füßen der beiden Figuren gut zu erkennen ist.

► Der Körper der Osirisfigur (7) wurde anscheinend um ein paar Zentimeter nach hinten versetzt, um etwas mehr Platz zu schaffen. Spuren der originalen Position sind an den Beinen und Füßen sowie am Rücken noch erkennbar.

► Der Ka (5) hat nicht nur ein Gesicht mit den Merkmalen Nofretetes, er trägt auch eine einfache, dreiteilige Perücke. Diese konnte zwar theoretisch auch von Männern getragen werden, sie ist aber eine typische Haartracht von Königinnen im Zusammenhang mit Begräbnissen, wie bei anderen Königinnen dieser Epoche zu sehen (Teje in KV55, Tiy in WV23, Nefertari in QV66).

links: © Factum Arte / Antikenministerium, rechts: © Griffith Institute Oxford

► Das Ka-Symbol über dem Kopf von Figur 5 wurde ebenfalls nachträglich eingefügt, wie Spuren unter der gelben Hintergrundfarbe zeigen.

► Ebenso scheint der Schurz erst in Phase II gemalt worden zu sein, denn er entspricht exakt dem, den die Anubisfigur auf der Südwand trägt. Der Schluss daraus ist, dass diese beiden Schurze von demselben Künstler gemalt wurden, und das muss dann natürlich in Phase II gewesen sein, als die Südwand erstmals bemalt wurde.
Eigentlich müsste es heißen, beide Schurze „waren einmal“ gleich, denn sie sind es heute nicht mehr, aber dazu mehr in Teil 2 von Reeves‘ Ausführungen.

► Schließlich sehen in Szene 3 auch die Inschriften über den Köpfen der Figuren seltsam gequetscht aus. In den Szenen 1 und 2 liegen die fünf Namenskartuschen alle ziemlich genau auf einer Höhe, in Szene 3 ist die Kartusche mit Tutanchamuns Namen aber kleiner und auch viel höher angebracht. Diese Disharmonie hätten die Künstler sicher gerne vermieden, hatten aber anscheinend einfach nicht genügend Platz dafür.

Fehlstellung der linken Kartusche. © Lily Jung

Wenn Fig. 6 also tatsächlich erst in Phase II eingefügt wurde, dann war ursprünglich die Figur Nr. 5, der heutige Ka, die Hauptfigur dieser Szene und stellte den/die Verstorbene/n dar. Nun tragen in Begräbnisszenen die Königinnen, die oben erwähnt sind, zusammen mit der dreiteiligen Perücke immer ein langes, weißes Leinenkleid. Dieses musste für Tuts Ka natürlich geändert werden. Nach Reeves‘ Meinung erfuhr diese Figur (5) daher in Phase II eine Geschlechtsumwandlung, indem ein nackter, männlicher Oberkörper und ein kurzer Schurz über das weiße Kleid gemalt wurden und schließlich noch die männliche Form (Starker Stier) als Ka-Symbol auf den Kopf gesetzt wurde. Der Kopf des nun männlichen Ka (Fig. 5) behielt allerdings die Gesichtszüge Nofretetes, obwohl der vor ihm stehende, eingefügte Tutanchamun (Fig. 6) sein „eigenes“ Gesicht erhielt.

Nach Reeves‘ fester Überzeugung sind auf der Nordwand vier der sieben Figuren noch unverändert so, wie sie zum Zeitpunkt ihrer Entstehung, dem Begräbnis Nofretetes (Phase I), gemalt wurden, nämlich die Figuren 1, 2, 4 und 7 (wobei 7 etwas versetzt wurde). Eine Figur, Nr. 6, wurde in Phase II komplett neu eingefügt, und zwei Figuren, 3 und 5, wurden so verändert, so dass aus der ursprünglichen weiblichen Erscheinung ein Mann, nämlich Tutanchamun, wurde.

Soweit Teil 1 des neuen Papiers von Nicholas Reeves. In Teil 2 werden wir dann u.a. berichten, was ein neutraler Experte zu den unterschiedlichen Radarscans sagt und davon berichten, dass nicht alle braunen Flecken wirklich Schimmelspuren sind. Einige davon wurden tatsächlich nur aufgemalt, um zu verdecken, dass hier in moderner Zeit, also nach der Entdeckung des Grabes 1922, eine Neubemalung stattgefunden hat! Und bis vor einigen Jahren, bis Factum Arte seine hochauflösenden Bilder der Grabwände machte, hatte das auch fast 100 Jahre lang niemand bemerkt…

Das könnte Dich auch interessieren

9 Kommentar(e)

Einen Kommentar schreiben
  • Dr. Paul Höfer

    Bin gespannt, was das Antikenministerium diesen – für mich überzeugenden – Indizien Reeves´ entgegen zu setzen hat. Wenn Reeves tatsächlich mit seiner Argumentation recht hat, dann müsste es den Ägyptologen Zahi Hawass eigentlich zerreißen.

  • Jolly Thews

    Das Antikenministerium kann die Theorie nicht ignorieren, so lange es noch Scans gibt, die Anomalien in der Nähe anzeigen. Nach den geoelektrischen Scans der Italiener im Frühjahr wird es vermutlich demnächst neue, detailliertere Scans geben, um die entdeckten „Hohlräume“ näher zu untersuchen. Und wenn man da etwas findet, wird man es vermutlich von außen aufgraben, denn ein Loch in der Nordwand wird man wohl weiter vermeiden wollen.

  • Anubis

    Ich denke nicht, dass von außen gegraben werden kann. Man würde dann Wandmalereien zerstören, die im hinteren, unentdeckten Grabbereich liegen. Man müsste wohl von unten, über den Fußboden dort eindringen. Einen bemalten Fußboden habe ich noch nirgends im Tal gesehen. Wie schön wieder spekulieren zu können und den ägyptischen Behörden ihre Unfähigkeit aufzuzeigen.

  • Walter

    Nach all den Indizien, welche Reeves hier aufzeigt, dürfte es nach m.M. schon so sein, daß schon vor Tut anch Amuns überraschendem Tot, jemand anderer in KV 62 bestattet worden war. Wenn man weiterhin bedenkt, daß ca. 80% der Grabbeigeben für Semenchkare/Nofretete angefertigt worden waren dürfte wohl klar sein, wer der/die vorherige Inhaber(in) des Grabes war. Es ist naheliegend, anzunehmen, daß man nur die allerpersönlichsten Dinge zusammen mit der Herrin des Grabes anderswo untergebracht hat.
    Reeves Theorie, daß dies der hintere Teil des Grabes ist, ist nachvollziehbar, aber kein absolutes muß.
    Es ist auch möglich, daß die Mumie in ein anderes, vielleicht naheliegendes, evtl. noch bescheideneres oder nicht komplett fertiggestelltes, Grab gebracht wurde.
    Wenn es ganz nahe bei Tuts Grab, noch ein weiteres gibt, (das vor kurzem von den Italienern geordet wurde) dann muß das ja noch lange nicht heißen, das da einen räumlichen Zusammenhang besteht.

  • mckracken

    Diese simplen Gesichtsmalereien lassen doch diese Schlüsse garnicht oder nur sehr begrenzt zu. Und dann erst die anderen „Schlussfolgerungen“…Das Gelb ist um ein Quentchen heller als die andere Wand ergo etc…

    Aber auch sonst: Bohrt doch einfach ein 3 cm kameraloch von Oben ihr Tussis…. 😉

  • mirror

    @mckracken: Danke für Deinen hochkultivierten und kongenialen Beitrag! …und jetzt mal im Ernst: Danke dem selekt-blog, dass Du uns immer wieder auf dem Laufenden hälst! Ich finde es total spannend und die Theorie von Reeves insgesamt immer schlüssiger. Bei allen Details dieses ersten Beitrags überzeugt mich am meisten, dass die Augenform von Figur 2 sich von denen der Figuren 3 und 6 total unterscheiden. Alle drei sollen Tut darstellen, jedoch macht es absolut Sinn, dass nicht Figur 2, sondern Figur 1 Tutanchamun darstellt. Dass das noch nie jemandem aufgefallen ist…

  • Monika Mangal

    Es wird wirklich immer spannender, und obwohl mich Reeves Theorien (noch) nicht ganz überzeugen, imponiert es mir, dass er nicht so leicht aufgibt. Ich bin schon sehr gespannt auf den zweiten Teil dieses Beitrags. Nebenbei bemerkt ist Reeves nicht der einzige, der sich an neuen Interpretationen der Wandbemalung in Tuts Grab versucht. Auch der Schweizer Ägyptologe Dr.M. Traugott Huber hat ganz änliche Beobachtungen angestellt, allerdings kommt er dabei zumindest teilweise zu anderen Ergebnissen. So sieht Huber Nofrete in den Figuren 2, 4 und 7, und in den Figuren 3 und 6 sogar niemand anderen als ihren Ehemann Echnaton, wobei die mittlere Szene angeblich die Hochzeit der beiden darstellen soll! Man sieht also, wie unterschiedlich die Interpretationen sein können, und man darf gespannt sein, wer recht behält, Reeves, Huber oder keiner von beiden. Jedenfalls hoffe ich, und damit bin ich gewiss nicht allein, dass uns die verantwortlichen Behörden in Ägypten nicht mehr allzu lange hinhalten (leider sind sie darin sehr gut geworden) und endlich tätig werden.

  • Alok

    Ich lese Selkets Blog schon einige Zeit und bin dankbar für alle Infos, aber nachdem ich Reeves Arbeit von 2015 noch mal gelesen habe ist dies die mit Abstand spannendste Geschichte die mir je untergekommen ist. Ich bin kein Wissenschaftler aber diese Story hat alle Zutaten für eine epochale Entdeckung.

  • Walter

    Eines ist mir an der Bemalung der Nordwand noch nicht ganz klar.
    Phase I dürfte doch ohne jeden Zeitdruck entstanden sein. Also sollten doch sowohl Verputz, als auch Farbe, genügend Zeit zum trocknen gehabt haben.
    Infolgedessen, dürften doch nach m.M. die Teile der Wand, welche noch aus Phase I stammen keine Schimmelflecken aufweisen.
    Anders war es in Phase II, da war Eile geboten, schließlich wollte Eje bei Haremhab`s Rückkehr schon zum Pharao inthronisiert sein, ansonsten hätte der Thron gewackelt.
    Oder bringe ich da einen Denkfehler ins System ?

Kommentar schreibenBitte sei höflich. Wir wissen das zu schätzen

Dein Kommentar

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Zustimmung zur Datenspeicherung lt. DSGVO