Foto einer beschrifteten Scherbe
Altägyptische Steuerquittung auf einer Tonscherbe, 98 v. Chr.
Bild: Rare Books and Special Collections, McGill University Library and Archive

Schon die alten Ägypter ächzten unter Steuerlast

Wenn man den Medien glauben darf, schafft es die derzeitige griechische Regierung nicht, von ihren reichen Bürgern die fälligen Steuern einzutreiben. Das war vor 2000 Jahren noch ganz anders. Als die Griechen über Ägypten herrschten und die Drachme dort das gängige Zahlungsmittel war, wusste man noch, wie man die Reichen zur Kasse bittet. Eine Steuerquittung aus der Zeit der Ptolemäer zeugt von einer Steuerschuld, die mehr als 100 kg Münzen entsprach.

„Talent“ für Steuerzahlungen

Die Quittung wurde in Griechisch auf eine Keramikscherbe geschrieben. Sie liegt in den Archiven der McGill Universität in Montreal. Ein unbekannter Ägypter – der Name ist leider nicht mehr lesbar – musste eine Grunderwerbsteuer zahlen. Sie betrug 75 Talente, plus eine Gebühr von 15 Talenten. Laut Quittung wurde die Steuerschuld in Münzen beglichen und an eine Bank in der Stadt Diospolis Magna geschickt. Das war die römische Bezeichnung für die Stadt, die von den Griechen Diòs Pólis Megálē oder Theben genannt wurde, also das heutige Luxor (altägyptisch: Waset).


Das Talent war eine antike Gewichtseinheit, die auch als Währung benutzt wurde, indem es mit einem Edelmetall aufgewogen wurde. Ein Talent war unterteilt in 60 Minen, aus denen man je 100 Drachmen prägen konnte. Ein Talent war also die Menge von 6.000 Drachmen, 90 Talente entsprachen damit 540.000 Drachmen. Eine unvorstellbar hohe Summe, meint Brice Jones, Doktorand an der Concordia University in Montreal, der den Text auf der Scherbe übersetzt hat. Es müsse sich also um einen ziemlich reichen Ägypter gehandelt haben, fügt er hinzu.

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Steuer von 108 kg

Goldene Münze, Oktadrachme, mit Bild von Ptolemaios IV.

Goldene Oktadrachme (8 Drachmen) mit dem Bild Ptolemaios IV., British Museum London, via Wikimedia.

Die Quittung ist mit einem Datum versehen, das nach heutigem Kalender dem 22. Juli 98 v.Chr. entspricht. Zu jener Zeit verdiente ein einfacher Arbeiter etwa 18.000 Drachmen im Jahr; die Steuerschuld entsprach also dem Jahresgehalt von 30 Arbeitern. Die wertvollste Münze zu jener Zeit, die 40-Drachmen-Münze, wog etwa 8 Gramm, sagt Catharine Lorber, eine Expertin für antike Numesmatik, der Live Science. Hätte die Steuerzahlung nur aus diesen höchstwertigen Münzen bestanden, wären 13.500 Münzen erforderlich gewesen, die dann zusammen 108 kg gewogen hätten.

Zur Zeit der damals in Ägypten regierenden Ptolemäer brachten Steuereintreiber die Steuergelder nach Diospolis Magna (Theben). So hohe Steuerzahlungen mussten normalerweise in Silber bezahlt werden. Lorber hält es für durchaus möglich, dass die Gebühr von 15 Talenten eine Art Strafgebühr dafür war, dass die Steuer in Bronzemünzen bezahlt wurde. Das stellte die Steuereintreiber nämlich vor ein kleines Transportproblem, da die Steuergelder in Körben auf Eseln transportiert wurden.

Brice Jones wird diesen und andere von ihm übersetzte Texte aus den Archiven und der Bücherei der McGill Universität in der nächsten Ausgabe des Journals Bulletin of the American Society of Papyrologists präsentieren.

Wir danken der McGill Universität für die freundliche Genehmigung zur Bildnutzung!

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