Foto Philae-Obelisk und Kingston Lacy Haus
Der Philae-Obelisk vor dem Kingston Lacy Haus. Foto:Rod Allday [CC-BY-SA-2.0], via Wikimedia Commons

Geschichtsträchtiger Obelisk in Süd-England erneut untersucht

Seit fast 200 Jahren steht der Philae-Obelisk nahe der Kleinstadt Wimborn Minster in der südenglischen Grafschaft Dorset. Bereits 1821 bei seiner Ankunft hatten Experten versucht, seine Inschriften zu übersetzen; seit dieser Zeit aber hatte sich niemand mehr damit befasst. Mit einer neuartigen Technologie haben nun Forscher der Universität Oxford und des Centre for the Study of Ancient Documents (CSAD) die Oberfläche des Obelisken erneut untersucht und damit Dinge hervorgebracht, die bisher unsichtbar waren.

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Portrait des William John Bankes, gemalt 1812 von George Sandars [Public domain], Wikimedia Commons

William John Bankes, Sprößling einer reichen englischen Kunstsammlerfamilie, machte Anfang des 19. Jahrhunderts mehrere große Reisen. 1815/16 sah er diesen Obelisken, der vermutlich von Ptolemaios VIII. im 2. Jh. v.Chr. in Auftrag gegeben wurde, umgestürzt auf der Insel Philae. Er trug Inschriften sowohl in Griechisch als auch in Hieroglyphen, darunter auch einige Königsnamen in Kartuschen. Er brachte den Obelisken in seinen Besitz und ließ ihn von dem Abenteurer Giovanni Belzoni nach England bringen. Wie alle Kunstschätze der Familie Bankes, wurde der Philae-Obelisk auf ihrem Landsitz, dem Anwesen Kingston Lacy nahe der Ortschaft Wimborn Minster, aufgestellt, wo er noch heute steht.


Fast so wichtig wie der Stein von Rosette

Der Obelisk aus rosa Granit ist für die Geschichte der Archäologie ein unverzichtbares Monument, denn als er 1821 nach England kam, versuchten gerade mehrere Gelehrte, darunter auch François Champollion in Frankreich, die Hieroglyphen auf dem Stein von Rosette zu entschlüsseln. Man hatte dort den Namen des Königs Ptolemaios gefunden und vermutete, die Hieroglyphen dieses Namens könnten einfache Lautzeichen sein, also das erste Zeichen stünde für P, das zweite für T usw. Aber sie hatten keinen Beweis für diese Theorie. Den lieferte erst der Name der Königin Kleopatra II. auf diesem Obelisken. Hier wurden dieselben Zeichen für die Buchstaben P, L und O verwendet, wie in Ptolemaios (das T unterschied sich allerdings). So konnten Champollion und seine Mitstreiter die Existenz der Einkonsonantenzeichen beweisen. Später fand Champollion dann an der Kartusche des Pharaos Ramses heraus, dass es auch Mehrkonsonantenzeichen und Ideogramme gab. Damit waren die Hieroglyphen entschlüsselt. (Etwas ausführlicher findet ihr das übrigens in unserer Rubrik Hieroglyphen).

Schattenspiele

Schon 1821, als man eine Abschrift der Inschriften des Philae-Obelisken anfertigte, waren manche Zeichen nur schwer zu lesen und insbesondere die griechischen Inschriften konnte nicht vollständig erkannt und übersetzt werden. 200 Jahre englischer Regen und Kälte haben die Lesbarkeit der Zeichen wahrlich nicht verbessert, und so wurde es Zeit, den Inschriften mit modernsten Methoden erneut zu Leibe zu rücken. Die Forscher aus Oxford wendeten ein Verfahren an, das sie RTI, Reflectance Transformation Imaging, nennen. Dabei wird die Oberfläche aus vielen verschiedenen Winkeln mit unterschiedlichen Lichtquellen fotografiert. Dadurch erhält man Schattenwürfe, die auf jedem Bild ein bisschen anders aussehen. Wenn man dann alle Bilder übereinander legt, entsteht ein ziemlich akzentuiertes Bild der Inschriften.

Durch diese RTI-Methode erscheinen die Inschriften nun buchstäblich in ganz neuem Licht. Selbst Passagen, die schon 1821 nicht mehr zu erkennen waren, können jetzt untersucht werden, auch wenn dort manchmal nur Überreste zu erkennen sind. Insbesondere will man die Beziehung der beiden Texte zueinander auswerten, denn sie sind vermutlich keine wörtlichen Übersetzungen. Es dürfte interessant sein herauszufinden, ob die in den Inschriften erwähnten Könige in den beiden Sprachen unterschiedlich dargestellt werden.

Fotos der Untersuchungen – auch ein Bild, das mit der neuen RTI-Technik gemacht wurde – findet ihr im Artikel der BBC-News.

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  • Anne

    Ich finds interessant,dass auch vermeindlich fertig untersuchte dinge immerwieder für úberraschungen gut sind.bin gespannt,was der obelisk zu sagen hat.

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