Der Entdecker des Schatzes von Harageh, Sir Flinders Petrie, würde sich wahrscheinlich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, dass sein Fund versteigert wird Foto: Wikimedia Commons

Fragwürdig: Schon wieder altägyptische Artefakte unterm Hammer

Das britische Privatauktionshaus Bonhams versteigert demnächst den „Schatz von Harageh“, eine Sammlung von Alabastergefäßen und Silberschmuck aus dem Mittleren Reich. Die 4000 Jahre alten Artefakte gehören der St. Louis Society Inc., einer Untergruppe des Archäologischen Instituts von Amerika (AIA). Die Mutterorganisation selbst ist „not amused“, hat aber anscheinend keine Weisungsbefugnis, mit der sie die Versteigerung verhindern könnte.

Das AIA wurde 1879 gegründet und versteht sich als gemeinnützige Organisation, die das öffentliche Interesse an der Archäologie fördern will und gleichzeitig wissenschaftliche Forschungen in diesem Bereich unterstützt. In einem Statement auf ihrer Webseite schreibt das AIA, dass man mit großer Sorge feststellen musste, dass die unabhängige St. Louis Society die Antiquitäten versteigern wolle. Man sei vorher nicht konsultiert worden und arbeite jetzt an einer Lösung, die im Einklang mit den eigenen ethischen Standpunkten stünde, nach denen man ja eigentlich solche Artefakte „zum öffentlichen Wohle“ bewahren wolle.


Grabung 1913 unter Flinders Petrie

Die Gegenstände stammen aus einem Fund in el-Harageh, das am Eingang zum Fayum, knapp 100 km südlich von Kairo, liegt. 1913 begann dort eine Expedition unter der Regie eines Mannes, der als einer der Väter der modernen Archäologie gilt: William Matthew Flinders Petrie. Grabungsleiter in el-Harageh war der Brite Reginald Engelbach, der mit seinem Team auf mehrere altägyptische Friedhöfe stieß, die zusammen über 600 Gräber beherbergten. Im Grab Nr. 124 fand man schließlich diese größere Anzahl an Schmuckstücken, Alltagsgefäßen und -instrumenten, die nun versteigert werden sollen. Laut einer Grabstele war eine hochstehende Edelfrau namens Iytenhab die Inhaberin dieses Grabes. Sie lebte etwa 1900 v.Chr., zur Zeit Sesostris‘ II.

Muscheln und Bienen aus Silber

Zu den herausragenden Stücken des Fundes gehören sieben Kaurimuscheln mit seitlichen Lochungen, damit sie zu einer Kette zusammengebunden werden konnten. Sechs von ihnen haben innen kleine Perlen, so dass sie bei Bewegung rasseln. Daneben gibt es 14 kleinere Silbermuscheln in Tränenform mit Ösen, so dass sie als Anhänger ebenfalls zu einer Halskette aufgezogen werden konnten. Kernstück der Schmuckkollektion ist aber eine dreidimensionale silberne Biene mit Edelsteineinlagen, bei der sogar die Beine einzeln modelliert wurden.
Die fünf Alabastergefäße umfassen kleine Tiegel und Töpfchen sowie einen Kosmetiklöffel, dessen Griff die Form eines Ankh-Henkelkreuzes hat. Fotos der Stücke könnt ihr beim Al-Tahrir News Network sehen.

Verlierer ist die Öffentlichkeit

Bonhams hat den Wert der Stücke mit mindestens 80 – 120.000 Britischen Pfund angesetzt, aber sicherlich wird die Versteigerung am 2. Oktober einen sehr viel höheren Preis erzielen. Dies ist nicht das erste Mal, dass eine öffentliche, in diesem Fall sogar gemeinnützige, Institution Antiquitäten versteigert. Erst kürzlich berichteten wir von der Versteigerung einer Sitzstatue durch ein Museum im britischen Northampton, das damit Geld für einen Neubau erwirtschaften wollte. Es gab massive Proteste gegen diese Versteigerung, denn das herausragend gut erhaltene Stück ging für fast 16 Mio Pfund wie befürchtet an einen ungenannten Privatsammler und ist damit für die Öffentlichkeit verloren. Das gleiche Schicksal blüht nun auch dem „Schatz von Harageh“, der auf absehbare Zeit im Keller eines Ungenannten verschwinden könnte.

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