Von Tickets, Museen und Sphinxen – Wochenrückblick und Jahresausblick

Das Antikenministerium will mit günstigeren Preisen (im Sommer) und mehr Komfort noch mehr Touristen in die Stätten und Museen locken, neue Museen eröffnen und ein berühmtes Monument wird erstmals offiziell zugänglich sein. Die Entscheidung vier Sphinx-Statuen und einen Obelisk von Luxor nach Kairo zu schicken, schlägt hohe Wellen.

Ticket-Schnäppchen

Das preisgekrönte Reisemagazin AFAR hat im November letzten Jahres Ägypten unter die zehn am stärksten wachsenden Tourismusziele gekürt. Glückwunsch! Die Tourismusbranche des Landes verzeichnete im letzten Jahr ein Wachstum von immerhin 36,8 Prozent. Über 11 Millionen Menschen besuchten 2019 das Land am Nil. Um die touristische Flaute im brütend heißen ägyptischen Sommer anzukurbeln, gibt es satte Rabatte auf die Ticketpreise in den archäologischen Stätten und Museen in Oberägyptens Qena, Luxor und Assuan. Die Preise sollen diesen Sommer um 50% für ausländische Touristen reduziert werden.

Neue Museen in Hurghada und Sharm el-Sheik

Khaled el-Enany, der mittlerweile die neue Position des Antiken- UND Tourismusministers innehat, gab diese Woche außerdem bekannt, dass in verschiedenen Museen moderne Ticketschalter eigerichtet wurden. So z.B. auch im neuen Museum in Hurghada, in dem über 1000 Objekte ausgestellt werden und das am 22. Januar seine Pforten öffnen soll. El-Anany hofft, dass dadurch der Kauf von Tickets für die Besucher reibungsloser vonstatten gehen wird. Neben Hurghada bekommt übrigens auch der Touristenort Sharm el-Sheikh am Roten Meer ein neues Museum. Dort wurde aber erst Mitte Dezember die erste Bauphase beendet, das kann also noch ein Weilchen dauern…

Ticketpreise fürs GEM

Apropo Tickets und neue Museen: Diese Woche wurden auch die Ticketpreise für das Grand Egyptian Museum (GEM) in Gizeh veröffentlicht, das im 4. Quartal 2019 feierlich eröffnet werden soll (der genaue Termin soll die Tage durch den Präsidenten Al-Sisi höchstpersönlich bekannt gegeben werden). Ausländische Touristen werden 400 LE (ca. 22€, Studenten die Hälfte) zücken müssen, Einheimische 60 LE (ca. 3€).

Bis dahin werden wir die Tickets vielleicht auch schon online kaufen können. Das Antiken- und Tourismusministerium arbeitet derzeit an einem digitalen Ticketsystem für archäologische Stätten und Museen im ganzen Land. Durch den Kauf von Online-Tickets erhofft sich El-Anany keine lange Schlangen an den Ticketschaltern mehr.

Ein altes Monument öffnet seine Pforten

Viele von uns haben lange darauf gewartet: Die Stufenpyramide von Sakkara, eines der ältesten Steinmonumente der Welt, wird endlich auch für Besucher zugänglich sein.  Nachdem die Pyramide mehrere Jahre (mit Unterbrechungen) restauriert wurde, wird die Pyramide gerade mit einem Beleuchtungssystem ausgestattet. Der genaue Eröffnungstermin steht leider noch nicht fest.

Sphinx- und Obelisken-Ärger

Neben den vielen positiven Schlagzeilen, hat es die vergangenen Tage auch einigen Ärger gegeben. Unter wütendem Protest, insbesondere der Einwohner von Luxor, wurde die Entscheidung bekannt gegeben, vier Sphinxe (wir berichteten) und – davon war in frühen Berichten noch gar nicht die Rede – einen Obelisken vom Karnak-Tempel in Luxor auf Kairos berühmten Tahrir-Platz zu transportieren. Auch die Einwohner von Kairo sehen die Entscheidung kritisch, dass der geschichtsträchtige Tahrir-Platz, auf dem Millionen Menschen gegen das Regime von Mubarak demonstrierten, nun Showbühne antiker Monumente wird. Experten argumentieren außerdem, dass die Umweltbelastungen an einem so stark frequentierten Ort wie der Tahrir-Platz, den Sandstein der Monumente im Laufe der Jahre angreifen könnte.

Auch der Vorsitzende des Arab Regional Center for World Heritage, Shaikha Mai bint Mohammad Al Khalifa, hat den Umzug von Antiquitäten vom Luxor-Tempel auf den Tahrir-Platz in Kairo verurteilt. Laut den Richtlinien der Welterbekonvention muss zuerst die UNESCO konsultiert werden, bevor solche Schritte unternommen werden.

El-Anany verteidigt sein Vorhaben. Sowohl der Obelisk als auch die vier Sphinxe stehen in einem „isolierten Teil des Tempels“ (was immer man auch darunter verstehen mag). Außerdem: wenn europäische Städte wie Rom, Paris oder London an ihren touristischen Hotspots einen Obelisken errichtet haben, warum sollten wir das nicht auch tun, so el-Ananys, etwas schwache, Argumentation (das war auch ein paar Jährchen früher und zu anderen Zeiten…)

Das letzte Wörtchen scheint noch nicht gesprochen zu sein. Wir werden sehen, ob das frisch gebackene Antiken- und Tourismusministerium doch noch einknicken wird…

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3 Kommentar(e)

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  • Alois Weinzetl

    Ich finde man sollte die Originale an ihrem urtümlichen Platz belassen und stattdessen eventuell Nachbauten anbringen, wenn dieses Vorhaben schon unbedingt sein muss. Sicherlich wäre es eine Verschönerung vom Tahir Platz.

  • Dieter Ullrich

    Was ist denn das für ein hirnrissiger Plan?! Die Monumente sollten an ihrem ursprünglichen Standort oder örtlichen Museum bleiben. Auf dem Tahrir-Platz sind sie schutzlos der Zerstörung durch die Verkehrsbelastung oder auch der Bedrohung durch militante Islamisten ausgesetzt.
    Das widerspricht doch auch der Idee, die Museen in der Provinz aufzuwerten. Ich denke, unter Zahi Hawass wären solche Pläne nicht entstanden.

  • mckracken

    Absoluter Schwachsinn, monumentale Stücke aus ihrem geschichtlichen Zusammenhang zureissen.

    Man beraubt sie auch ihrer Seele wenn ich das Mal etwas schmalzig sagen darf.

    Freu mich schon den Obelisken in Nähe des burger King zu sehen und das hupkonzert der Kairoer Innenstadt im ohr zu haben……

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