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Hawass kennt Tutanchamus Todesursache und will Nofretete und Anchesenamun identifizieren

Man kann ja von Zahi Hawass halten was man will, aber immerhin er schafft es immer wieder, Ägypten – und sich selbst – in die Schlagzeilen zu bringen. So auch bei einer seiner neusten Ankündigungen, die er auf einem Vortrag beim 19. italienischen Filmfestival Magna Graecia machte.

Hawass will nun die endgültige Todesursache von Tutanchamun geklärt haben und außerdem DNA-Methoden präsentieren, die, wie er sagt, die Mumien von Königin Nofretete und Königin Anchesenamun, der Frau von König Tutanchamun identifizieren sollen.

All das will Hawass im Oktober auf einer Konferenz in Anwesenheit von 40 eingeladenen Archäologen aus aller Welt verkünden, zu die der – ehemalige – Antiken- und Tourismusminister Khaled el-Anany eingeladen hat (diese Woche wurde mit Ahmed Eissa, CEO für das Privatkundengeschäft der Commercial International Bank (CIB) sowie Vorstandsmitglied von Egyptair und Vorstandsmitglied der amerikanischen Handelskammer in Ägypten, ein neuer Antiken- und Tourismusminister präsentiert).

Auf der Konferenz soll natürlich auch das „Jubiläumskind“ Tutanchamun eine große Rolle spielen, um die „Auswirkungen und die Geschichte“ des Kindkönigs mit den anwesenden Gästen zu diskutieren. Das Carter Haus soll als Museum eröffnet werden (was war es denn seit der Eröffnung im Jahr 2009 ?!) und vor dem Grab von Tutanchamun im Tal der Könige soll ein kleiner Festakt für die Feierlichkeiten anlässlich der 100-jährigen Entdeckung von Tutanchamuns Grab stattfinden.

Bevor man bei einem anschließenden Abendessen im Luxor-Tempel dinieren wird, will Hawass auch auf die Todesursache von Tutanchamun eingehen, die nun endgültig feststehen soll.

Mehr verrät Zahi Hawass natürlich nicht und es bleiben erst einmal nur viele Fragezeichen zurück. Wie kann man bei einer 3500 Jahre alten Mumie die endgültige Todesursache feststellen? Wird er uns etwas Neues präsentieren oder eigentlich schon Altbekanntes? (mehr zu den Theorien in unserem Tutanchamun Beitrag). Wird Hawass vielleicht schon Ergebnisse präsentieren, wer die Mumien von Nofretete und Anchesenamun sein könnten? Im April diesen Jahres hatte Hawass angekündigt, die DNA-Proben von potentiellen Verwandten von Tutanchamun entnehmen zu wollen. Schon bereits entnommen wurden DNA-Proben der geheimnisvollen Mumie aus KV35, die zwischen der „Älteren Dame“ (Teje) und der „Jüngeren Dame“ (vielleicht Nofretete?) in einem Nebenraum von Amenophis II. Grab KV35 lag (wir berichteten). Hawass war sich zu dem Zeitpunkt sicher, dass sie auch zu der Familie Tutanchamuns gehört. Vielleicht wird im Oktober zumindest deren Geheimnis enthüllt.

Wenn die Mumie der Nofretete identifiziert werden würde, dann wäre das schon eine Sensation – und eine Enttäuschung zugleich. Aber gehen wir die Sache doch mal durch: Da die Eltern und etwaige Geschwister von Nofretete unbekannt sind, wäre ihre Tochter Anchesenamun der Schlüssel, um die Mumie Nofretetes identifizieren zu können. Und übrigens natürlich auch das Geheimnis zu lüften, ob Nofretete vielleicht doch die Mutter Tutanchamuns ist…

Die Mumie von Tutanchamuns Ehefrau Anchesenamuns zu enthüllen, sollte dabei ein Leichtes sein. Ihr Vater, Echnaton, ist vermutlich die Mumie im Gab KV55. Ihre Großeltern sind die identifizierten Mumien von Amenophis III. und Teje. Und da wären ja auch noch die mumifizierten Föten aus Tutanchamuns Grab…

Nach Anchesenamuns Grab sucht Hawass und sein Team zur Zeit im Tal der Affen in Theben-West. Und auch das Grab der Nofretete, das Nicholas Reeves hinter Tutanchamuns Grabkammer vermutet (siehe „Nofretetes Grab„), liegt noch unentdeckt im Sand. Wenn Nofretetes Mumie wirklich identifiziert werden würde, wäre der Traum von einem unberührten Nofretete-Grab ausgeträumt. Und auch die Grab-in-Grab Theorie wäre höchstwahrscheinlich hinfällig. Zumindest ist uns keine logische Erklärung eingefallen, warum man Nofretetes Mumie vor Tutanchamuns Bestattung aus ihrem Grab geholt hätte.

Warten wir es ab, was uns Zahi Hawass in nur wenigen Wochen präsentieren wird.

12 Gedanken zu „Hawass kennt Tutanchamus Todesursache und will Nofretete und Anchesenamun identifizieren“

  1. Die sollten endlich im Nebenraum( dort wo nichts ist außer blanker Sandstein) ein Bohrung durchführen! Ich glaube nicht, dass dadurch die restaurierten Wände im Grab beschädigt werden. Man hätte danach Klarheit!

  2. Ich glaube, alle wisen, was man von Z. H. Ankündigungen „Großartiger Entdeckungen“ halten darf/kann…

  3. Es erschreckt, wie dieser mediengeile und egomane „Experte“ in der Presse zunehmend Beachtung findet!
    Für Fakten, welche mittlerweile in der Fachpresse ja schon (fast) als „gesichert“ gelten.
    Exakte Wissenschaft wir durch ihn zunehmend zur Show degradiert!

  4. Ich verspüre keinerlei freudige Emotion durch diese Ankündigung.
    Der hat, seit ich ihn kenne, nur verbal auf die Wurst gehauen.
    Egomane!
    Die deutlichsten Theorien zur Familie des Tutanchamun kommen noch immer aus dem Jahre 2000,
    von Christine El Mahdy.
    Ich denke, dieser Schreihals weiß heute nicht viel mehr.

  5. Argument zu „warum man Nofretetes Mumie vor Tutanchamuns Bestattung aus ihrem Grab geholt hätte“: Es scheint doch so zu sein, dass etliche Grabbeigaben Tutanchamuns – vielleicht sogar die berühmte Totenmaske – der Grabausstattung Nofretetes entstammen. Dies könnte darauf hindeuten, dass deren Grab geplündert wurde, um das Begräbnis des unerwartet verstorbenen, jungen Pharaos überhaupt erst zu ermöglichen. Die Priesterschaft dürfte nichts dagegen gehabt haben, denn Nofretete war ja durch ihren Ehemann Echnaton und dessen religiöser Revolution ohnehin zu diesem Zeitpunkt bereits unbeliebt. Die Mumie Nofretetes wurde dann ins KV35 gebracht.

  6. Ich finde es sehr beruhigend, dass Herr Z.H. hier anscheinend genauso sympathisch wahrgenommen wird, wie es bei mir der Fall ist.
    Ganz lieben Dank aber wieder für diese Information!
    Liebe Grüße
    Susanne Ortner

  7. Im Observer vom 13. August wurde der eindeutige Beweis für den Grabraub durch Howard Carter präsentiert. In einem Brief von Sir Alan Gardiner an Howard Carter beschwert sich Gardiner wegen eines Amuletts, das er als Raubgut identifizierte. Der Brief wird im neuen Buch Tutankhamun and the Tomb that changed the World publiziert werden.

  8. Der allgemeinen Meinung über die Zuverlässigkeit von Hawass‘ Äußerungen kann ich mich nur anschließen. Ich denke, man kann davon ausgehen, dass es sich bei den als Nofretete bzw. Anchesenamun identifizierten Mumien um KV 21 A und B handelt, die ja schon seit längerem zur Diskussion stehen. Ich wage kaum zu hoffen, dass Hawass sich die Kritik an seinen 2010 veröffentlichten Untersuchungen zu Herzen genommen hat und dieses Mal einen von einem wirklich unabhängigen Institut geprüften, detaillierteren Bericht mitsamt den „raw data“ vorlegt. Noch besser wäre freilich die Anwendung der sogenannten „next generation sequencing“ Technik, die weitaus zuverlässigere Ergebnisse liefert und 2017 bei einer groß angelegten Studie angewandt wurde, aber auch hier sind meine Hoffnungen nicht groß.
    Was Tutanchamuns Todesursache anbelangt, kann ich die in Selkets Artikel angeführten Zweifel allerdings nicht ganz nach vollziehen. Im Gegenteil, gerade was diese Mumie anbelangt, springt sie einem geradezu ins Auge, zumindest, seit man mit Hilfe von Röntgenbildern und CT-Aufnahmen hinter die diversen Schichten von Einbalsamierungsmaterial blicken kann. Das fehlende Herz und Brustbein, mehrere fehlende bzw. -kurz nach dem Tod, wie die glatten Schnittstellen beweisen- abgesägte Rippen sowie die fehlende linke Beckenhälfte sprechen eine deutliche Sprache. Ein solches traumatisches Ereignis kann wohl niemand überleben. Bleibt nur abzuwarten, für welche Version Hawass sich diesmal entscheidet.

  9. Hallo Monika,
    Du könntest recht haben mit den Mumien aus KV21. Vielleicht es ist den Forschern dieses Mal gelungen, eindeutige DNA Proben zu entnehmen.
    Die Verletzungen an Tuts Brustkorb sind aber eindeutig erst nach der Entdeckung von seinem Grab geschehen. Auf den ersten Fotos seiner Mumie ist der Brustkorb noch intakt. Vermutlich wurde in den Wirren des 2. Weltkriegs sein Brustkorb mit einer Säge zersägt, um an die Amulette heranzukommen, daher die glatten Schnittstellen. Howard Carter ist auch nicht gerade behutsam mit der Mumie umgegangen.
    Bei all den Gebrechen, die Tut hatte, finde ich es – Stand der Dinge jetzt – schwierig eine genaue Todesursache festzustellen. Aber warten wir mal ab, was Hawass berichten wird.

  10. In einem Punkt muss ich dir leider widersprechen. Zugegebenermaßen ist der inzwischen verschwundene große Halskragen auf den ersten Fotos noch vorhanden, aber das besagt nicht, dass auch der Brustkorb darunter intakt war. Wie gesagt, weisen die glatten Schnittstellen an den vorderen Rippen darauf hin, dass sie gleich nach dem Tod gekürzt wurden und nicht erst nach über dreitausend Jahren. Außerdem bildet die Lage der Rippenenden ein unregelmäßiges Muster, das keineswegs demjenigen entspricht, das beim Herausschneiden des Halskragens entstanden wäre. Zudem darf man nicht vergessen, dass das, was vom Brustkorb noch vorhanden ist, in eine steinharte Masse von Leinen und Ölen eingebettet ist, in die man nicht so einfach mit einem bloßen Messer eindringen kann. Und weshalb hätten die modernen Grabräuber wohl das Brustbein und den großen Beckenknochen mitgehen lassen wollen, und wie hätten sie es anstellen sollen? Das sind Fragen, die Hawass et.al 2010 völlig ignoriert haben, die jedoch von Jo Marchant in ihrem Buch „The Shadow King“ und von Chris Naunton in einem Dokufilm aufgegriffen und ausführlich behandelt wurden.

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