Ruhe in Luxor, Sturm in Kairo. Tag 1 nach der Anti-Mursi Revolution

Viele von uns schauen im Moment bangen Blickes nach Ägypten. Medien sprechen von der größten Demonstration im Land, zu der die Rebellenbewegung „Tamarod“ aufgerufen hatte. Sogar noch größer als zum Sturz Mubaraks im Jahr 2011 soll diese sein. Die Demonstranten, die sich insbesondere am Tahrir-Platz in Kairo aber auch in vielen weiteren Städten des Landes versammelt haben, fordern den Rücktritt von Präsident Mursi, der in einem Jahr Regierungszeit viel versprochen aber kaum was erreicht hat. Folter, Misshandlungen und religiöse Diffamierung sind an der Tagesordnung. Die Wirtschaft Ägyptens ist in einem schlimmen Zustand, der Tourismus ist am Boden.

In vielen Orten ist es zu Ausschreitungen gekommen, bei der 16 Menschen getötet und mehr als 780 weitere verletzt wurden.
Auch antike Stätten wurden nicht verschont. Schon letzte Woche brach in Heliopolis ein Feuer aus, das die Altertümer aber glücklicherweise nur leicht beschädigte. Teile des Kalksteintores von Ramses IX. und eine Mauer sind aber von Ruß bedeckt.
Nach unbestätigten Gerüchten, die über Twitter verbreitet wurden, hat es in Memphis ein größeres Feuer gegeben. Drei Stunden soll das Feuer gewütet haben und auch ins Freilichtmuseum eingedrungen sein. (Nachtrag: hat sich glücklicherweise nicht bestätigt)

Bisher sind fünf Minister aus Solidarität zu den Demonstranten zurückgetreten – u.a. erneut der Tourismusminister Hisham Zaazou, der schon bei der Ernennung des Gouverneurs von Luxor zurücktreten wollte aber nicht durfte.


Besonders die Tourismusindustrie leidet mal wieder unter den Folgen der neuen Revolution. Die Auslastungen der Hotels in Luxor soll gerade mal bei 5% liegen. Von 280 Hotelschiffen sind nur 20 im Einsatz und die noch nicht einmal halb voll, wie Zeit Online berichtet. Die Verunsicherung bei Reisenden ist groß. Das Auswärtige Amt warnt aber nicht vor Reisen nach Ägypten im Allgemeinen und auch nicht speziell nach Kairo. (siehe unten) Nur die Innenstadt und den Stadtteil Heliopolis sollte man meiden. Und natürlich sollte der Tourist auch in anderen Teilen des Landes möglichst einen großen Bogen um Menschenansammlungen machen.

In weiten Teilen des Landes verlaufen die Demonstrationen friedlich, wie z.B. in Luxor. In den Touristengebieten am Roten Meer spüren die Besucher nichts von den Auswirkungen der Revolution. Auch Nilkreuzfahrten finden ganz normal statt. Nur Kairo wird von einigen Reiseveranstaltern im Moment gemieden.

Mittlerweile hat das Militär Mursi ein Ultimatum gestellt. Innerhalb von 48 Stunden sollen die Forderungen des Volkes erfüllt werden, sonst wird das Militär eingreifen.

So oder so ist das Land tief gespalten. Selbst wenn Mursi zurücktreten sollte und das Land für Neuwahlen bereit wäre, fehlt es doch im Moment an einer geeigneten Partei und einem fähigen Regierungsoberhaupt, der von den meisten akzeptiert werden würde. Die Opposition hat bisher weder ein politisches noch ein wirtschaftliches Programm, um Ägypten aus der Krise zu holen.
Das wird wohl leider nicht die letzte Revolution gewesen sein…

Nachtrag vom 02.07.:

Das Auswärtige Amt warnt mittlerweile davor „nicht notwendige Reisen nach Kairo und Alexandria…“ sowie dem Nildelta und Mittelägypten zu vermeiden. Luxor, Assuan und Nilkreuzfahrten sind weiterhin ok.

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  • Brigitte

    Bedauerlicherweise sind wahrscheinlich auch die Nilkreuzfahrten nicht mehr o.k., bzw.das Ausflugsprogramm ist sehr eingeschränkt.
    Ende März, also noch in einer ruhigen Zeit, haben wir die Tour von Assuan nach Kairo mitgemacht. Landschaftlich wunderschön und interessante Sehenswürdigkeiten.
    Aber in Assuan und den Orten nördlich von Abydos durften wir nicht allein von Bord bzw.nur mit Polizeibegleitung.
    Wir fahren seit 2000 aller zwei Jahre in unser Lieblingland,aber unter den erlebten Umständen ist es für uns nicht erstrebenswert.

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