Tuts Grab bald nur noch als Replik zu bewundern?

Wandbemalung im Grab von Tutanchamun
Wandbemalung im Grab von Tutanchamun. Foto: Hajor, Wikimedia Commons
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Für fast alle Besucher des Tals der Könige zählt das Grab Tutanchamuns zu den must-haves. Das vor 90 Jahren entdeckte Grab mit seinen unermesslichen Schätzen löste eine regelrechte Ägyptomanie aus, die Besucher aus aller Welt nach Ägypten zog. Die Kehrseite dieser Besucherscharen ist aber der Schaden, der in den Gräbern entsteht, wenn durch schwer atmende und schwitzende Touristen die stark erhöhte Luftfeuchtigkeit den Stuck und die Bemalung der Wände angreift.

Das wunderschöne Grab der Nefertari ist schon seit einigen Jahren nicht mehr öffentlich zugänglich – man muss schon einige Tausend Dollar hinblättern, um eventuell Einlass zu erhalten. Und jetzt ist auch das Grab des Tutanchamun in einem Zustand, dass die Verantwortlichen es am liebsten schließen würden.
Statt dessen sollen Touristen zukünftig eine exakte Kopie des Grabes besichtigen dürfen.

Der Oberste Rat für Altertümer hat bereits 2009 in Zusammenarbeit mit der Universität Basel und der in Madrid beheimateten Firma Factum Arte sogenannte Faksimiles, also originalgetreue Kopien, von drei Gräbern in Auftrag gegeben, nämlich dem von Seti I. und den bereits angesprochenen der Nefertari und Tutanchamun. Namhafte Künstler arbeiten seitdem an den Repliken, die mit Hilfe von 3D-Scannern erstellt wurden.


Der Nachbau vor Tuts Grabkammer lagert derzeit noch in Madrid, soll aber nächste Woche nach Kairo transportiert und dort vorgestellt werden. Als endgültiger Standort ist u.a. auch das Gelände des Carterhauses im Gespräch, das am Anfang des Weges zum Tal der Könige liegt. Die Grabkammer könnte dort Teil einer größeren Ausstellung rund um Howard Carter und Tutanchamun sein und, hoffnungsvollen Erwartungen zufolge, etwa eine halbe Million Besucher jährlich anlocken.

Ob die Replik einer Grabkammer im „Keller“ des Carterhauses oder – noch schlimmer – in einem klimatisierten, oberirdischen Museum aber genausoviele Besucher anlockt, wie das schweißtreibende Original, darf bezweifelt werden. Nachbildungen sind eine tolle Sache für Wanderausstellungen in entfernten Kontinenten. Aber sich einen Nachbau anzusehen, wenn man weiß, dass das Original nur wenige Meter weiter zu finden wäre, macht den Besuch nur halb so reizvoll. Aber die Horden der Pauschalurlauber vom Roten Meer werden an ihrem Ausflugstag vielleicht nicht so wählerisch sein.

Bilder der Schäden an einer der Wände in Tuts Grab sowie ein Foto des Faksimiles der Grabkammer findet ihr bei MailOnline.

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