Von schlechten Zahlen, guten Ideen und der Öffnung des Nefertari-Grabes

Die statistischen Zahlen über die Tourismusentwicklung in Ägypten trüben die Stimmung sowohl des Antiken- als auch des Tourismusministers. Das Antikenministerium hat aktuell einen Schuldenberg von 2,8 Milliarden Ägyptischen Pfund (LE), umgerechnet ca. 306 Mio. Euro (1 Euro entspricht derzeit etwa 9,25 LE). Während der Antikenminister Mamdouh el-Damaty nicht mehr weiß, wie er seine Angestellten bezahlen soll, sieht Tourismuminister Hisham Zaazou einen Silberstreif am Horizont. Oder ist das nur das Pfeifen im Walde?

Die Einnahmen des Antikenministeriums rekrutieren sich hauptsächlich aus den Eintrittsgeldern für Museen und die historischen Stätten, sowie aus Erlösen für Ausstellungen im Ausland. Während es im Finanzjahr 2009/10 noch 3 Milliarden LE waren, die das Ministerium auf diese Art verdiente, waren es im Jahr 2013/14 nur noch 4% dieser Summe, nämlich 125 Millionen LE. Die Einahmen eines gesamten Jahres reichen damit nur noch, um die Gehälter der insgesamt 38.000 Angestellten für 2 Monate zu bezahlen, so Antikenminister Mamdouh el-Damaty in der Cairo Post.


Ägyptisches Museum: Rückgang um 96%

Grund für die geringeren Einnahmen sind natürlich die seit der Revolution von 2011 gesunkenen Touristenzahlen. So berichtet ein Ticketverkäufer des Ägyptischen Museums in Kairo, dass am letzten Mittwoch im August nur 62 Touristen und 355 Ägypter das Museum besuchten. Bei Ticketpreisen von 80 LE für Ausländer und 2 LE für Ägypter kann sich jeder die Tageseinnahme des Museums selbst ausrechnen. Vor der Revolution waren es täglich noch mehr als 10.000 Besucher…

Totentempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari

Der Hatschepsuttempel – früher ein Touristenmagnet, heute manchmal menschenleer

Wohl auch wegen der weiterhin kommenden Badeurlauber am Roten Meer, ist der Rückgang der Touristenzahlen auf das ganze Land gesehen aber nicht so dramatisch. Im Jahr 2010 waren es 14,7 Mio Touristen, im Jahr 2013 immerhin noch 9,5 Mio, also etwa zwei Drittel davon. Die Einnahmen des Landes durch diesen Tourismus verringerten sich im gleichen Zeitraum allerdings von 98,5 Milliarden LE auf etwa 42 Milliarden LE, also auf deutlich weniger als die Hälfte. Das liegt daran, dass der durchschnittliche Tourist inzwischen weniger ausgibt, als er es noch 2010 tat.

Restaurationsprojekte in Gefahr

Den kulturellen Tourismus in Kairo, Luxor und Assuan trifft es allerdings viel härter als die Baderegionen. Die Einnahmen des Antikenministeriums aus Eintrittsgeldern lagen im November 2010 noch bei 15 Mio LE, im November 2012 waren es nur noch 4,5 Mio LE. Dabei sei man derzeit in mehr als 70 Restaurationsprojekten engagiert und wisse kaum noch, wie man diese Arbeiten aufrecht erhalten solle, so Antikenminister el-Damaty. Ein Weg, weitere Gelder zu akquirieren, könnten vermehrte Ausstellungen im Ausland sein. Im September startet z.B. eine für ein Jahr nach Japan vergebene Ausstellung hochwertiger Altertümer, die mehr als 70 Mio. LE eingespielen wird, hofft el-Dmaty.

Neue Ideen zur Ankurbelung des Tourismus

Die unbefriedigende Finanzsituation zwinge alle dazu, auch über neue und unkonventionelle Einnahmequellen nachzudenken, wie Tourismusminister Hisham Zaazou in der Daily News Egypt erzählt. Erst kürzlich berichteten wir hier von einer Autobahn, die Luxor mit dem Küstenort Mersa Alam verbinden soll. Aber Zaazou hat noch einige Pfeile mehr im Köcher. So habe man einen Kooperationsvertrag mit Google geschlossen, um über die Suchmaschine die größtmögliche Anzahl an Interessenten für einen Ägyptenurlaub anzusprechen. Außerdem mache man verstärkt Werbung für das Land, finanziere z.B. auch Werbefilme, die erstmals von Ägyptern selbst produziert würden. Zusätzlich habe man für sechs Monate die erfahrene US-amerikanische PR-Agentur Hill & Knowlton engagiert.
Wichtig wäre es aber auch, große Events als Touristenmagneten zu veranstalten, meint Zaazou. So arbeite man daran, die Oper Aida wieder in Luxor aufzuführen und man denke auch daran – Achtung: festhalten ! – das seit vielen Jahren geschlossene Grab der Königin Nefertari wieder zu öffnen.

Berufsoptimismus oder Anfang des Aufschwungs?

Minister Zaazou sieht aber auch bereits wieder Licht am Ende des Tunnels. So würden im Oktober 8 von 15 Ländern ihre Reisewarnungen für Ägypten wieder aufheben, was er darauf zurückführt, dass er und sein Ministerium „wie ein Bienenstock“ daran gearbeitet hätten. Und auch aktuell würden die Touristenzahlen wieder steigen, meint er, und gibt als Beispiel die Steigerung von 301.000 Gästen im September 2013 auf 673.000 im November 2013 an. Wieviel des Anstiegs jahreszeitlich bedingt ist, denn schon immer kamen im Winter mehr Touristen als im Sommer oder Herbst, sagt er nicht. Vermutlich muss man als Tourismusminister in schwierigen Zeiten aber einfach Berufsoptimist sein.

Ob die geplanten Maßnahmen den Tourismus wirklich wieder ankurbeln können, oder ob das nicht letztlich nur durch eine verbesserte Sicherheitslage erreicht werden kann, bleibt abzuwarten. Sollte das Grab der Nefertari allerdings tatsächlich wieder für normale Touristen geöffnet werden, hätte Ägypten in kürzester Zeit zumindest einen Besucher mehr: nämlich mich!

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4 Kommentar(e)

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  • Sitting Bull

    Wir hoffen , das der Tourismus voellig zusammenbricht und sich die Massen der Aegypter gegen das moerderische System erheben unter dem tausende in Foltergefaengnissen und Internierungslagern dahinvegetieren und 1/3 der Bevoelkerung pauschal zu Terroristen erklaehrt wurde, waehrend die Weltgemeinschaft schweigend wegsieht und diese Prozesse gar noch finanziell foerdert. Schande ueber uns. Nur ein Boykott des Tourismus bringt Druck gegen dieses moerderische Regim. Kaltes Stella im Liegestuhl FOERDERT dieses Regim.
    Unsere Meinung
    apache-group.org

  • Ibrahim

    From apache-group.org website :
    Why Apache?

    Because we believe a maximum of donations and funds should go to the very poor.
    Building on this beautiful repectful statement :
    Instead of donations it is even better, if you can, to give the people work and automatically more selfesteem and selfrespect.
    Tourism is exactly doing that.
    We can aggree or disaggree about the Egyptian regimes of the last 60 years, but to boycott tourism and deprive the egyptians working in tourism to have an income and selfesteem is surely not your wish.

  • Carina Felske

    @Sitting Bull: Du hast diese Meinung jetzt schon unter genügend Artikel kundgetan. Du scheinst die Beiträge überhaupt nicht zu lesen, sondern nur willkürlich deine politische Hetze wo es gerade hinpasst zu streuen. Das ist jetzt das letzte Mal, dass wir dies hier tolerieren. Dies ist ein Blog der sich hauptsächlich mit dem alten Ägypten beschäftigt und kein Ort für so etwas.
    Was für ein Quatsch außerdem, dass sich irgendetwas ändern würde, wenn wir Touristen dieses Land boykottieren. Damit stürzt das Land nur noch in eine größere Krise und trifft genau diejenigen, die für die Situation überhaupt nichts können: Die arme Bevölkerung, denen es durch die fehlenden Touristen so schlecht geht wie nie zuvor.

  • Kerstin Wiggers

    Carina, ich applaudiere Dir, bis meine Hände wund sind! Die Vergangenheit hat oft genug gezeigt, dass Boykotts nur die Schwächsten und nicht die Verusacher trifft! (Mein Kommentar kommt zwar etwas spät, ich bin aber noch nicht lange dabei und lese mich gerade durch die ganzen Beiträge 😉 )

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