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Muss die Geschichte der Mumifizierung neu geschrieben werden?

Im Jahr 2019 machten ägyptische Archäologen in Sakkara eine außergewöhnliche Entdeckung. Das 4500 Jahre alte Grab des Khuwy aus der 5. Dynastie war insofern besonders, weil es noch in den schönsten Farben erstrahlte (wir berichteten). Aber es gab auch noch eine andere Besonderheit: in dem Grab befanden sich noch die sterblichen Überreste von Khuwy. Eine Seltenheit bei so alten Gräbern und Khuwy schien war für seine Zeit außergewöhnlich sorgfältig mumifiziert worden zu sein . Das Grab könnte also die Geschichte der Mumifizierung umschreiben, denn 1000 Jahre früher könnte sie schon ausgereifter gewesen sein als bisher angenommen. Die Mumienexpertin Salima Ikram von der Universität Kairo und ihre Forschungskollegen wollten der Sache auf den Grund gehen.

Bisher war es eingängige Forschermeinung, dass eine Vielzahl von Harzen und hochwertigen Leinenverbänden erst 1000 Jahre später als zur Lebenszeit Khuwys für die Mumifizierung genutzt wurden. Den Mumien des Alten Reiches wurden mit einfachsten Mitteln die Flüssigkeit entzogen, was oft nicht sehr erfolgreich war. Das Gehirn wurde im Körper gelassen und nur in einigen Fällen die Organe entfernt. Dem äußeren Erscheinungsbild wurde viel mehr Aufmerksamkeit gewidmet, wie dem Inneren, so Salima Ikram im Observer. Das ist auch der Grund dafür, warum Mumien aus dem Alten Reich heute so schlecht erhalten sind.

Auch ist die Auswahl an Harzen im Alten Reich sehr begrenzt aber diese Mumie ist mit wertvollen Harzen perfekt konserviert und anschließend mit hochwertigen Bandagen umwickelt worden. Sie ähnelt eher einer Mumie, die viele hundert Jahre später in ihr Grab gelegt wurde. Die Leinenbinden überraschten Ikram besonders. Eine solche Menge und eine so ausgezeichnete Qualität hatte sie bisher in ihrer langen Laufbahn nur bei einer einzigen Mumie aus der 21. Dynastie vorgefunden.

Salima Ikram gibt zu, sie sei bei der Entdeckung überzeugt gewesen, dass es sich hierbei um eine jüngere Mumie handelt, denn die Neunutzung von Gräbern war im alten Ägypten nichts außergewöhnliches. Aber im Laufe ihrer Forschungen an der Mumie änderte sie ihre Meinung, auch wenn einige Restzweifel geblieben sind, wie sie selbst sagt. Weitere Untersuchungen sollen das Alter der Mumie nun abklären.

Wenn es aber wirklich eine so alte Mumie ist, würde die gängige Lehrmeinung zur Evolution der Mumifizierung komplett auf den Kopf gestellt werden, so Ikram. Die verwendeten Materialien und deren Herkunft, die mit Handelsrouten in das Land am Nil gekommen sind, würde das bisherige Verständnis über das Alte Reich dramatisch beeinflussen, so Ikram weiter.

Ihre Ergebnisse wird Salima Ikram in der National Geographic Doku-Serie „Lost Treasures of Egypt“ präsentieren, die ab dem 07. November im englischsprachigen Raum ausgestrahlt wird. In der vierten Folge „The Rise of the Mummy“ wird dann die Mumie des Khufy auf den Kopf gestellt. Bei der Doku-Serie werden Archäologen bei ihrer Arbeit begleitet und Staffel 1 „Ägyptens verlorene Schätze“ lief auch schon im deutschen TV. Also dürfen wir davon ausgehen, dass wir auch im deutschen TV der Frage nachgehen dürfen, ob die Einbalsamierer sogar schon vor 4500 Jahren erstaunliches geleistet haben.

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