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Anonyme Mumie, Musée cantonal d’archeologie et d’histoire /Lausanne /Inv.Nr.: 0492. Pfeil: leeres Zahnfach in der Front nach postmortalem Verlust, Kreis: Luxierte Zähne im Rachen. Bild mit frdl. Genehmigung von Dr. R. Seiler, IEM Zürich

Vorgang der Mundöffnung beschädigte die Zähne

In einer neuen Studie beschäftigen sich Prof. Frank Rühli und Dr. Roger Seiler vom Institut für Evolutionäre Medizin (IEM) der Universität Zürich mit der Frage, warum bei so vielen Mumien die vorderen Zähne beschädigt oder sogar ausgebrochen sind. Das bekannte und in Schrift und Bild gut dokumentierte Mundöffnungsritual, mit dem der Verstorbene seine Fähigkeiten zu atmen, zu essen und zu sprechen für das jenseitige Leben wiedererlangen sollte, kann dafür eigentlich nicht verantwortlich sein, da es ein rein symbolischer Akt war, der an fertig eingewickelten Mumien kurz vor dem Begräbnis, oder auch an Statuen nach ihrer Aufstellung, vollzogen wurde. Die Schäden an den Frontzähnen deuten aber auf ein tatsächliches, gewaltsames Öffnen des Mundes hin, das dann vermutlich während der Mumifizierung stattfand.

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Der Schädel von Kha. Die Pfeile zeigen auf die Überreste des Gehirns. Anhand der Nasenknochen können die Forscher erkennen, dass er zu Lebzeiten eine Hakennase gehabt haben muss. Auf seiner Nase haben die Einbalsamierer den Kopf einer Schlange aus Stein gelegt (Pfeil rechtes Bild). Eine massive ovalförmige Platte (ein Amulett?) ist über dem Ehrengold sichtbar, das Kha einst für besondere Dienste erhalten hat. Das Ehrengold besteht aus mehreren Goldplatten. An seinen Ohren hängen Ohrringe aus ca. 1mm dickem Blattgold.

Reiche Adlige einbalsamiert mit Fischöl

Ein Grab, das die Jahrtausende bis in die heutige Zeit ungeöffnet überstanden hat, ist immer eine archäologische Sensation. 1906 wurde auf dem Westfriedhof von Deir el-Medina ein solches Grab gefunden, in dem der königliche Baumeister Kha und seine Frau Merit begraben lagen. Ihre Mumien gaben Wissenschaftlern bisher Rätsel auf, da den Körpern entgegen der damals üblichen Mumifizierungspraxis nicht die inneren Organe und das Gehirn entnommen worden waren. Konnte es sein, dass ein so bedeutender Beamter keine ordentliche Einbalsamierung erhalten hatte? Und was war das für eine schwarzglänzende Masse, mit der die äußeren Sarkophage überzogen waren? Hatte man sie mit Bitumen gegen Feuchtigkeit abdichten wollen? Diesen Fragen wollte ein Forscherteam um Frank Rühli und Michael Habicht von der Universität Zürich mit einer neuen Untersuchung nachgehen. Nach früheren Durchleuchtungen 1966 und 2001 wollte man eine erneute Röntgenuntersuchung mit modernster Technik durchführen; zusätzlich sollten aber erstmals auch chemische Analysen der Einbalsamierungssubstanzen und der Beschichtung der Sarkophage vorgenommen werden.

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