Der Eingang zum Totentempel Sethos' I. in Abydos

Abydos bald um einige Attraktionen reicher

Abydos ist vor allem durch den beeindruckenden Totentempel von Sethos I. bekannt, der auch die berühmte Königsliste enthält. Andere Sehenswürdigkeiten werden dort selten von Touristen besucht. Das könnte sich in Zukunft vielleicht ändern, denn einige der vor mehr als einem Jahrhundert entdeckten Gräber und Anlagen werden gerade in einen besichtigungsfähigen Zustand versetzt. Darunter ist auch das riesige Grab von Sesostris III., das die unter US-Führung stehende Grabungsmission gerade von Schutt befreit und für den Touristenverkehr vorbereitet.

200m lang ist das Grab von Sesostris III., und es reicht bis zu 45m unter die Oberfläche; vergleichbar mit einem 13-stöckigen Haus, das man umgedreht unter die Erde gebaut hat. Sesostris III. war einer der großen Pharaonen des Mittleren Reiches, fast 2000 Jahre v.Chr., in der 12. Dynastie. Sein Grab ist das größte in Abydos.


Ansicht des Bootsgebäudes mit Holzresten auf dem Boden. Bildnutzung m.frdl.Gen. des Museums der Universität von Pennsylvania

Dr. Josef Wegner, einer der Archäologen, die schon seit vielen Jahren in Abydos graben, ist begeistert von der Architektur des Grabes, die symbolisch für die Reise ins Jenseits steht. Der Eingang des Grabes liegt nach Westen; das Grab erstreckt sich dann ostwärts bis unter den heiligen Anubis-Berg. Im Westen ging die Sonne unter, im Osten wurde sie morgens wiedergeboren, erklärt Wegner; die Ausrichtung des Grabes wurde also ganz bewusst so gewählt. Das Grab hat keinerlei Dekorationen, aber schön verputzte Wände aus Tura Kalkstein und rotem Granit aus Assuan. Die Grabkammer enthielt noch Bruchteile des Granitsarkophags und der Kanopengefäße.

Im Grabkomplex gibt es Hallen mit einer Deckenhöhe von 6 Metern, aber auch schmale und stark abschüssige Gänge, erklärt Wegner dem Magazin Popular Archaeology. Und die Luft darin war so muffig, dass manchem Arbeiter unwohl wurde. Inzwischen wurde nicht nur ein Belüftungssystem eingerichtet, sondern auch Treppenstufen und Handläufe angebracht, so dass man das Grab halbwegs gefahrlos erkunden kann, wenn es denn in vermutlich 1-2 Jahren für Touristen geöffnet wird.

Grab des Seneb-Kay

Grab des Seneb-Kay, Foto: Luxor Times

Aber noch drei weitere Gräber sollen demnächst für Touristen freigegeben werden. Da ist zunächst das kleine Grab von Senebkay, einem bis zur Entdeckung seines Grabes vor einigen Jahren völlig unbekannten Pharao. Außerdem sollen auch die Gräber der Könige Neferhotep I. und Sobekhotep IV. bald besichtigt werden können, meint Wegner.

Wenn dann noch das Anfang dieses Jahres freigegebene „Haus des Ka“ von Pharao Chasechemui und das kürzlich wiederentdeckte Bootsgebäude (siehe Foto oben) dazunehmen sollte, über dessen Freilegung wir 2016 berichteten, dann hat Abydos zukünftig tatsächlich so viele Sehenswürdigkeiten zu bieten, dass man dort sogar mehrere Tage zubringen kann.

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    Ich bin mal den alten Pilgerweg ins Reich des Osiris gegangen und hab da eine Zigarre geraucht. (durch die Wüste in die Felsenschlucht hinein) Tausende von Tonscherben liegen da herum. Da kam ich auch beim Grab eines Früh-dynastischen vorbei…war aber nicht der Chasechemui.

    Am Rückweg eskortierte mich die Kamel Polizei zum Tempel zurück. 🙂

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