Bereits 2018: Obelisken werden nach Gizeh gebracht. Foto: Antikenministerium Ägypten

Still und leise: Der Obelisk auf dem Tahrirplatz steht

Groß waren das Medienecho und die Proteste, als das Antiken- und Tourismusministerium Ägyptens kürzlich verkündete, man wolle auf dem umgebauten Tahrirplatz in Kairo einen Obelisken aus dem antiken Tanis und vier Sphingen aus Luxors Karnaktempel aufstellen. Nicht nur, dass die Objekte überhaupt von ihren ursprünglichen Fundorten entfernt würden, sondern auch die Tatsache, dass sie ausgerechnet auf einen der unruhigsten und luftverschmutztesten Plätze der ganzen Welt gestellt werden sollten, empörte nicht nur Fachleute. Aber die ägyptische Regierung hat Erfahrung im Umgang mit Protesten (um es wertfrei auszudrücken) – und hielt an ihrem Plan fest.

Und dieser Plan ist nicht neu, auch wenn er erst vor wenigen Monaten verkündet wurde. Aber schon im Herbst 2018 hatten auch wir darüber berichtet, dass Obelisken aus San el-Hagar, dem antiken Tanis, nach Kairo bzw. nach Gizeh gebracht wurden. Insgesamt wurden damals drei der fünf gefundenen Obelisken zur Restaurierung in die Labors des Grand Egyptian Museum (GEM) gebracht, nur zwei verblieben in San el-Hagar, wo sie im dortigen Freilichtmuseum zu besichtigen sind. Als kürzlich bekannt wurde, dass auch noch vier Sphingen aus dem Karnaktempel auf dem Tahrirplatz aufgestellt würden, gab es erneut Proteste (wir berichteten).

Proteste durchaus „eindrucksvoll“

Antikenminister Khaled el-Enany betonte auf die Proteste hin, dass die Artefakte auf dem in der Vergangenheit oft für Protestkundgebungen genutzten Tahrirplatz natürlich bestmöglich geschützt würden. So würden die Objekte auf so hohen Sockeln stehen, dass Menschen sie dort nicht berühren könnten. Grundsätzlich würde man „nicht einen einzigen Ziegelstein an irgendeiner Stelle in Ägypten platzieren, wenn es auch nur den geringsten Risikofaktor“ dabei gäbe, wird er zitiert. Und weiter: „Wir sind die Wächter der altägyptischen Zivilisation und können sie keinem Risiko aussetzen“.

Dass die Proteste vielleicht nicht die Regierung, aber auf jeden Fall das Tourismus- und Antikenministerium beeinflusst haben, kann man nicht nur an solchen Aussagen des Ministers sehen, sondern auch daran, dass es aus dem Ministerium keinerlei Pressemeldungen über den Fortgang der Arbeiten in Kairo gibt. Vermutlich will man diese Sache bis zur Fertigstellung lieber ruhen lassen. Inzwischen steht aber der 19m hohe und 90 Tonnen schwere Obelisk auf dem Tahrirplatz bereits; zuletzt wurde auch die pyramidenförmige Spitze aufgesetzt.

Da es bislang keine offiziellen Fotos des Ministeriums davon gibt, können wir hier nur auf die Berichte ägyptischer Medien verweisen, die vor Ort eigene Fotos gemacht haben, wie die Ahram Online. Dort wird auch berichtet, dass einer der drei nach Gizeh gebrachten Obelisken zukünftig im Eingangsbereich des neuen Supermuseums bei den Pyramiden aufgehängt werden soll. Das wäre dann der erste „hängende Obelisk“ der Welt. Noch ein Superlativ…

Nachtrag 16.02.2020:
Und kaum hat das Ministerium unseren Beitrag gelesen 😉 , bringt es doch schnell Fotos vom Obelisken. Inside the Gerüst, sozusagen…

Fotos: Antikenministerium Ägypten

2 Kommentar(e)

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  • mckracken

    Schade, diese Aktion wertet „Tanis“ weiter ab. Obwohl ich so oder so es in naher Zukunft besuchen werde.

  • Egon

    Schade, die modernen Ägypter haben nichts kapiert.

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